21.04.2010

Krankzeit

Ein Krankenhausaufenthalt. Der Bauch spannt noch, es zieht und zwickt. Es läuft noch Wundsekret ins angehängte Säckchen. Es läuft die Zeit zähflüssig mit aus. Im Krankenhaus klebt die Zeit an den Wänden. Stunde ist hier meist zweie lang. Die Aussicht auf Besserung ist stetig die gleiche, mit Versprechen auf baldige Entlassung.

Der Tag beginnt früh, aber geschwind. Wie Ameisen laufen die Schwestern und Pfleger durch die Zimmer, erledigen ihre Dinge und malträtieren ein wenig ihre Patienten, der Genesung wegen, zum Wohlsein etwas Strenge angelegt. Rast, aber keine Ruhe. Anderer Alltag, neues Treiben. Mit jedem Schluck Wasser nimmt man auch einen Schritt gen Heimat ein. Trinken, viel trinken, mindestens zwei Liter am Tag.

Im Krankenbett lockert sich die Bindung zur Welt, ohne Neuigkeiten von außen schwindet die Einsicht ins Geschehen zur Lokalisierung des Ichs im Hier und Jetzt. Wie im Urlaub, wo die Nachrichtenlage geringer ist, führt der Mangel an Informationen zum Treiben in undefinierter Zeit, schwimmen ohne Ufersicht. Das Krankenbett als Refugium vom Alltag, eine Insel der Isolation: Zeit zum Denken, Zeit zum Schwenken in Erinnerungen und Tagträumen.

Der Blick geht zum Horizont, die Himmelsdecke steht über dem Dächerwald. Unten alltäglicher Trubel und oben kreisen die Raben. Der Frühling kriecht in den siebten Stock empor, Blätter öffnen ihre Glieder. Der Körper ruht in stiller Höhe, nur die Bauarbeiten stören die Rekonvaleszenz. Doch gewöhnt man sich auch an das -- fühlt sich dann doch wie zuhause an.