30.03.2010

Kopfsache


In dem Moment, in dem ich einen Gedanken ausspreche, scheint er ein Stück seiner Klarheit zu verlieren. Im Kopf klang es eben noch schön. Doch das Bedürfnis zu Teilen, die Gedanken aus dem Kopf und in den Mund oder die Hand zu nehmen, ist stets und ständig ein großes und dringliches. Denn nur im Austausch mit dem Gegenüber erfährt der Mensch die Neuigkeiten.

Manchmal geht allerdings schon auf dem Sendeweg ein Teil der Information verloren. Zwischen Ober- und Unterarm oder zwischen den Stimmbändern findet der obduzierende Arzt vermutlich einmal ein Sammelsurium an fehlenden Worten. Die Zunge ist ja auch ein berüchtigter Ort, an dem vieles auf der Strecke liegen bleibt. Auch der Empfangsweg ist manchmal holprig. Doch im Gegensatz zum Ohrwurm, den man ja nicht so ohne weiteres los wird, ist der Frosch im Hals, der zur Sprachlosigkeit führen kann, äußerst unangenehm und unerwünscht.

Allerdings erscheint mir nichts schlimmer als Gedankenlosigkeit, der Black-out in der Birne. So manch ein Zeitgenosse versucht ja diesen Zustand willentlich mit diversen Hilfsmitteln und -tinkturen aus den verschiedensten Gründen hervorzurufen. Doch weder Vergessen oder Verdrängen noch Verwischen führen zum gewünschten Effekt, denn gerade das Unterdrückte erreicht uns in den stillen Momenten am ehesten.

In einem Kopf spielt sich schon eine Menge ab -- genau wie das Herz ohne Ruh' und Rast, denn erst Gevatter Tod macht das Licht aus. Bis dahin geistesblitzt und -funkt es unaufhörlich. Es gelangen Sinneseindrücke in die graue Masse, die einem ein Bild, einen Hauch, einen Ton von draußen vermitteln, mit Hilfe derer der Welt, in der man wandelt und handelt, in der man schaltet und waltet einen (oder mehrere) Sinn gegeben und gemacht wird.