24.12.2009

wintersonnenwende

wieder eins rum, so schnell kann das gehen. erst gestern war doch gerade nur die hälfte vorbei, genossen wir die wohligen strahlen wärmender sonne und nun sind wir schon am ende eines weiteren jahres angekommen. traditionell wird dieser übergang in abendländischen wohnzimmern mit tanne und glühwein begangen, mit gaben und botschaften des glücks und der wonne an und für das kommende neue. menschen versammeln sich beieinander in vertrauter runde und verbringen gemeinsam diese stunden des rückblicks und innehaltens, des schenkens und schlemmens. 

wir wünschen einander das beste und hoffe für uns das meiste, vergessen dabei jedoch nicht die mit dem geringsten und solche mit dem schlimmsten und denken an die entfernten und abwesenden, stimmen ein ins fröhlichste und bereiten einander das schönste. wir feiern die feste wie sie fallen und nehmen mit was wir kriegen können. seid lieb zu einander und achtet die andern. was euch ist gegeben, das gebt auch den ohne. freut euch eurer nächsten und labt euch im lohne, dessen was erreicht und dessen was noch kommt. wir sind das ergebnis unserer taten und die basis unseres tuns, mit jedem schritt dem glück ein stückchen näher, der pein ein wenig ferner. möget ihr finden, was ihr euch wünscht, sei gewährt, was ihr gesucht habt: besinnlichkeit und friedliche gäste.

alle jahre wieder nehmen wir uns denn ein wenig von der zeit, die uns im restlichen jahr so knapp und kostbar ist, um noch einmal zurück zu schauen auf das was bisher geschah und um voraus zu schauen auf das was kommen mag. zum nun mehr dreißigsten male - das erste mal noch im bauch meiner werten frau mama - hänge ich zwischen den jahren, während ich auf diesem äußerst kuriosen planeten das zentralgestirn in unserem sonnensystem umkreise. am ende einer jeden runde wird es stets etwas ruhiger und besinnlicher um einen herum, sodass dann mit schwung in die nächste gestartet werden kann.



in gut zwei wochen beginnt eine neue runde für mich. seit alsbald dreißig runden trete ich in leben und fettnäpfchen meiner gefährten und mitreisenden, auf dem weg zeit, leid, freude und glück mit und ab nehmend und gebend. als menschen stecken wir der kontinutität in einen rahmen aus ziffern und zahlen durch ein- und aufteilung in tag und jahr, und dekaden voller momente und augenblicke gelebter und geträumter wirkungszeit.

für diesen tag, der unumstösslich kommen wird, möcht ich keine geschenke, keine materiellen immerhin. ich möchte, mit verlaub, eure worte und sätze, die in einem brief an mich verpackt sind (elektronische sind auch willkommen). in diesem sollen eure erinnerungen an mich und mit mir stehen. zeitstücke, -krümel und -brocken aus dem kuchen, den wir leben nennen. schreibt mir eure geschichten auf, die euch in erinnerung kommen, wenn ihr an unsere gemeinsame zeit denkt, jeglicher art und weise aus kinder-, jugend- und greisenalter. ob nun eine ausführlich oder zweihundert kleine geschichten, das sehe ich nicht so genau. und wenn wir uns schon ewigkeiten nicht gehört, noch gelesen haben, seid mir nicht bös, ich habe nicht vergessen, weder euch, noch uns. wie kann ich auch? seid ihr und jede(r), die in und auf meinen lebenspfad getreten ist, teil dessen, der ich nun mehr heute bin, weil eure wege meine kreuzten und mich zu diesem wesen mit formten. nehmt kein blatt vor den mund, lieber einen stift in die hand.  lasst eurer kreativität mal wieder richtig freien lauf, spinnt ein wenig herum und holt sie zum essen wieder herein. lobhudeleit mich bis mir die ohren bluten, wenn es euch gefällt - mir würde es gefallen, in jedem fall (für fragen stehe ich per mail, telefon, telepathie und traumwanderung stets und sehr gern zur verfügung).


Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man's bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist's noch nicht soweit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bisschen durch die Straßen!
Dort gibt`s Weihnachtsfest genug.
Christentum vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen –
Lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt`s an Holz!
Stille Nacht und heil`ge Nacht –
Weint, wenn`s geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder wird`s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen Kinder lernt für`s Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht soweit…
Ach, du liebe Weihnachtszeit!

Erich Kästner