03.07.2009

Wie heißt du?

Unser oranger Stubentiger erhält je nach Laune und Lust einen neuen Namen. Mit felinen Mitbewohner kann man das ja machen, denn sie hören ja sowieso nicht darauf. Die offizielle Bezeichnung lautet Carlos, doch wird er begrüßt mit Kitusan, Finchosan, Br'sr, etc.

Vor Jahren habe ich mal ein Buch über die australischen Ureinwohner gelesen: "Der Traumfänger" von Marlo Morgan. In der Geschichte machte sich eine amerikanische Reisende mit einer Gruppe von Aboriginals auf einen sogenannten Walkabout, einer sechs monatigen Wanderung durch die roten Landschaften down under. Auf dieser Reise erfährt der Leser mit den Wanderern eine Veränderung in der Sichtweise auf das Leben. Am Ende ist nichts mehr wie es zum Beginn der strapaziösen und ereignisreichen Reise war.

Die Ureinwohner sehen das Leben in Zyklen. Jeder Zyklus bringt neue Aspekte der Erkenntnis, jeder Aspekt verändert den Menschen. Diese Veränderung wird durch einen neuen Namen vermittelt. Damals war mir dieses Konzept völlig fremd und unverständlich. Wie sollte das funktionieren? Bis dahin nahm ich an, dass ein Mensch einen Namen hat wie eine Leuchtboje auf dem Ozean. Unumstösslich, unabänderlich auf den Wellen des Lebens.

So viel anders als die alten Kulturen sind die digitalen Kulturen im Netz scheinbar nicht. Auch wir geben uns neue Namen, in regelmäßigen Abständen oder wenn der gewünschte schon von einem anderen User verwendet wird. Verschiedene Plattformen, verschiedene Ausführungen einer Person: alphanumerische Kenn- und Bezeichnung, binäre Identifikation, mindestens 6 Zeichen, keine Sonderzeichen.