02.07.2009

Herzschlag eines Globalen Bewußtseins

Keine Sorge, der folgende Eintrag wird sich nicht mit dem Verlust mehrerer Ikonen der Kulturwelt auseinandersetzen. Vielmehr zeigen diese Verluste von Popidolen auf, dass wir eine Art von Verbundenheitsgefühl mit den ebenfalls besinnenden Mitmenschen entwickeln können. Die Trauer findet öffentlich und indviduell statt. Die weitflächige Verbreitung von solchen und anderen Informationen in einer Gemeinschaft geschah bisher in schnellster Form über die öffentlichen und privaten audiovisuellen Fernkänale. Die vorwochigen Ereignisse zeigen jedoch, dass inzwischen eine weitere Möglichkeit zur Vermittlung von Nachrichten in höherem Maß angewendet wird.
Internet is the new television, for many, even the majority of, people an excuse to refuse to do something meaningful with their lives, by engaging a socially acceptable addiction which bears a passing resemblance to reality. Social networking, to use a convenient example, can in some cases be a form of social onanism, people engrossed in relationships with entities as unreal as any soap personality, while taking comfort in the fact that they are not alone. Unlike t.v., one doesn't even have to wait for tomorrow's water cooler conversation to be reassured of the normality of one's behaviour. Brad Anderson, Global Conscious Blog (31-01-2007)
Innerhalb der sozialen Netzwerke auf diesem Planeten verbreiten sich die Nachrichten über Schicksale und Handlungen im gegenseitigen Austausch und Miteinander scheinbar schneller als zuvor. Letzten Donnerstag und Freitag pulsierte das Netz aus kommunizierenden Internetnutzern. Auf den echtzeitlichen Diensten wurde und wird der Umgang mit dem Tod unserer lebensbegleitenden Idolfiguren in ungekannter Aktualität und Ausbreitung aufgezeigt und verarbeitet. Neben gemeinsamen Traurigkeitsgefühlen wächst auch die Erkenntnis, welcher sich Generationen von Menschen derzeit wieder intensiver bewußt werden: die Veränderlichkeit des Lebens.
The soundtrack to the fun, carefree part of your life has suddenly ended. India Knight, Times Online (28-06-2009)
Besonders bei solch großen Ereignissen, in denen viele Menschen ähnliche Gedanken und Gefühle haben, gelingt es Forschern von der Princeton Universität durch die Zusammenführung zufällig erstellter Zahlenreihen eine Art Meßkurve sogenannten globalen Bewußtseins aufzuzeichnen. Mit dem GCP Dot des Global Consciousness Project wird farblich dargestellt in welcher Stimmung sich das weltweite Bewußtsein momentan befinden soll. Aus Neugier und zu Demonstrationszwecken habe ich daher den Code des Stimmungspunktes auf meinen Blog gesetzt.
Die Farben zeigen intuitiv an, wie stark die Zufallsgeneratoren voneinander varieren. Die Intensität der Farbe als Wellenmesser der digitalen See. Das GCP hat diese statistische Varianz des EGG-Netzwerks, bestehend aus weltweit aufgestellter Detektoren, auch auditiv wahrnehmbar gemacht. Wie der Herzschlag eines Menschen schlagen die Zahlenreihen im Takt und bei unerwarteten Ereignissen verändert sich diese Frequenzen. Dem EEG eines Herzens gleich, untersuchen die Forscher die
subtle correlations that may reflect the presence and activity of consciousness in the world. We predict structure in what should be random data, associated with major global events. When millions of us share intentions and emotions the GCP/EGG network shows small but meaningful differences from expectation. Global Consciousness Project
Während das GCP das Echtzeittempo des globalen Bewußtseins aufzeigen will, versuchen Musiktheoretiker und -praktiker das rechte Spieltempo für klassische Musik zu finden. So klingt beispielsweise das mozartsche Andante der Symphonie Nr. 40 (KV. 550), eingespielt vom European Philharmonia Orchester unter Anleitung von Maximianno Cobra, bei halber Geschwindigkeit ebenfalls wie das Schlagen eines menschlichen Herzens. Der Rhythmus ist beruhigend langsamer und der natürlichere Klang eröffnet dem Ohr verständlich erfassbare Melodiepassagen.

Doch wie findet die Übertragung statt? Gehen wir davon aus, dass wir alle aus schwingenden Teilchen bestehen und das ringsum uns herum auch alles aus diesen schwingenden Teilchen besteht. Das ganze Universum mit allem drin und dran schwingt also in dem ein oder anderen Rhytmus. Diese Schwingungen hören jedoch nicht an irgendeiner Stelle auf, sondern werden durch andere verstärkt oder geschwächt. Genauso wie Lachen nun einmal ansteckend ist, soll nun auch allgemeines Glücksgefühl positiv auf unsere mittlere Umgebung wirken. Darüberhinaus gibt es inzwischen Überlegungen aus der Glücksforschung zur Beschaffenheit des Glücks. Untersuchungen haben ergeben, dass Glück beispielsweise horizontal verteilt ist, d.h. die Steigerung von Glück ist nur eine Illusion, die uns vorgaukelt, dass wir besser und glücklicher sind, wenn wir mehr von dem und jenem haben.

Selbstverständlich soll das nicht andeuten, dass jeder in seiner Position verharren soll oder gar muss. In erster Linie gilt es die Lebensgrundbedürfnisse zu stillen bevor es daran geht das Glück zu pflegen. Doch hat sich erst einmal ein Glückszustand eingstellt, dann lässt sich beobachten, dass die nähere Umgebung gleichfalls durch die positiven Schwingungen beeinflusst wird. Ähnlich verhält es sich daher vielleicht auch mit der Trauer. Denn auch an den Tagen nach den Todesmitteilungen waren die Werte der Zufallsgeneratoren nachweislich unvorsehbar abweichend.