03.07.2009

Die Milch macht's

Vor einiger Zeit erreichte mich die Milch-Rundmail, die schon seit 2005 in der ein oder anderen Form im Netz kursiert und den Empfänger einen Blick in den Augiasstall eines großen deutschen Konzern gewährt. Doch bevor es ans Ausmisten geht, will ich auch wissen, was die angeprangerte Gegenseite zu den Vorwürfen zu sagen hat. Fündig bin ich auf der Homepage des deutschen Heimwerkerkings Jean Pütz geworden. Nach dem er "in den letzten drei Jahrzehnten Dutzende Werbeverträge kategorisch abgelehnt" hat, halfen ihm die "ausführlichen Gesprächen mit der Konzernspitze, sowie mit unabhängigen Verbraucherschützern und Wissenschaftlern" sich für einen Werbespot für "den ersten Milchreis im Becher zum Selberbasteln" zu entscheiden.
Nun, käuflich bin ich bis heute nicht! Allerdings habe ich etwas gegen das "Verprügeln von vermeintlichen Sündenböcken".
Denn auch ihm ist die Rundmail nicht entgangen, doch für ihn hat die offizielle Stellungnahme der Presseabteilung "die darin gemachten Vorwürfe und Zweifel entkräftet und ausgeräumt", um somit "reinen Gewissens vor die Werbekamera zu treten".

In dieser Gegendarstellung der Presseabteilung des Müller-Imperiums ist zu lesen, dass das Unternehmen 1760 Arbeitsplätze geschaffen hat, doch leider nicht, ob diese auch dauerhaft sind. Die Automatisierung und Technologisierung der Produktion ist der Entwicklung inhärent. Somit käme nach einer Welle der Einstellung, eine Welle der Aus- bzw. Umverlagerung von Arbeitsstellen auf Zeitarbeit sowie Praktikumsstellen. Schließlich macht es die Arbeitsagentur nicht anders, wenn sie 1-Euro-Jobber aus der Arbeitslosenzahlen-Statistik herausnimmt, um sie so schlanker aussehen zu lassen, auch wenn es nicht der Realität entspricht.

Des Weiteren wird dem Konsumenten vorgemacht, dass die 400-ml-Flasche beliebter beim als der 500-ml-Becher sei? Kam niemand im Produktionsdesign darauf, dass der Kunde vielleicht auch eine 500-ml-Flasche mögen könnte? Dabei ist die Verwendung von PET-Flaschen auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, denn
bei der Herstellung der PET-Faschen [entsteht] auch Acetaldehyd, das in geringen Mengen in den Inhalt (auch bei Mineralwässern) übergehen und es geschmacklich (sensorisch) verändern kann. [Wikipedia: PET]
Eine bessere Wahl erscheint mir wohl Bioplastik, die -- dem Gewissen des umweltbewußten Konsumenten entsprechend -- auch biologisch abbaubar sind. Darüberhinaus stellt sich die wirtschaftliche Frage, ob die verringerte Milchmenge in den Flaschen eine gleichbleibende Preishöhe rechtfertigt? Zumal eine Änderung des Designs, der Menge, der Form, etc. stets auch mit einer Änderung der Qualität und Quantität, jedoch nicht unbedingt des Preises, einhergeht. Siehe (u. a. aber nicht nur) IKEA: mit der Verbesserung der Produkte kann auch eine Verringerung der Qualität auf Grund billigerer Materialien einhergehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Sofern die Aussagen der Stellungnahme auch richtig sind, werden andere Informationen, die auch wichtig sind, außenvorgelassen, z. B. das die Genveränderung von Mais zwar vor Schädlingen schützt (was wissenschaftlich auch bewiesen ist), aber die Info, dass auch andere Insekten dadurch betroffen sind, die sich ebenfalls von der Maispflanze ernähren, wird unterschlagen und findet sich erst in einem Zeitungsartikel wieder.
Auf das Thema genmanipuliertes Tierfutter geht die Pressestelle erst gar nicht ein, was von vornherein einen Schatten auf Müller-Milch wirft. Der Kettenbrief hebt auch hervor, dass Theo Müller der NPD Spenden zukommen lässt. Auch dazu kein Kommentar. Gleichfalls bleibt unerwähnt, daß T. Müller seinen Wohnsitz nach Österreich verlegt hat, zwecks Steuerersparnis. Faßt man das Firmenschreiben zusammen, dann entsteht unweigerlich der Eindruck, daß uns eine “schöne neue Welt” vorgegaukelt wird, worauf man gern verzichten kann! Dabei sollte nicht vergessen werden, dass es eine Höchstgrenze für anonyme Parteispenden gibt, sodass erst ab einem bestimmten Betrag die Geldsumme mit einem Namen schriftlich deklariert werden. Peter Hoersel, Kommentar zu "Die Wahrheit über Müllermilch" (11-02-2007)
Ein weiterer Vorwurf: Ist Herr Müller homophob? Darüberhinaus sind das auch nicht die ersten Vorfälle in und mit diesem Unternehmen. Im Manager-Magazin erschien am 11.05.2005 ein Bericht über die Unternehmenspolitik des Polterpatriarchs. Das TV-Magazin "kontraste" berichtet am 29.09.2005 über den Milchkrieg in Sachsen. Der sich daraufhin verbreitende Kettenbrief wird am 12.11.2005 auf der Seite der TU Berlin als Hoax eingestuft. Ein Jahr darauf verliert Müller am 19.12.2006 ein Gerichtsverfahren gegen den Vorwurf von Greenpeace genmanipulierte Milch zu verwenden.

Doch bisher galten die Vorwürfe stets der Person und dem Unternehmen, jedoch nicht dem angebotenen Produkt. Hier daher an dieser Stelle eine Seite auf der die angebliche gesundheitschädliche Wirkung von Milch auf den menschlichen Organismus erklärt und erläutert werden.