04.06.2009

Sinnvolle Spielzeit

Seit 25 Jahren stapeln und drehen die Menschen auf der Welt vierteilige Quadratklötzer in unterschiedlicher Ausführung und Passform und bauen Mauern, deren Abriss ihnen Punkte einbringen: je höher die Mauer, desto größer die Punktzahl--gespielt hat es wahrscheinlich jeder schon einmal.

Die erste Version des sich aus einem alten Kinderspiel zu einem schlafraubenden Vergnügen entwickelnde Computercodes schrieb der Mathematiker Alexei Paschitnow 1984 in seinen freien Stunden eines mittelmäßig warmen Moskauer Sommers nieder.
Für kurze Zeit war ich dann der beste Tetris-Spieler der Welt, sagte er. [winfuture]
Das kleine Spielprogramm wurde durch eine britische Computerfirma "entdeckt", welche die Rechte an ein amerikanisches Videospielunternehmen verkaufte, und erreichte in kurzer Zeit auf Grund der verführerisch einfachen Bedien- und Spielweise auf dem schnell anwachsenden Spielkonsolenmarkt hohen Bekanntheits- und Anwendungsgrad. Die profitable Popularität des Spiels beruht aber auch auf der aberfachen Adaptierung der Spielidee im Laufe der Zeit. In Folge "hängender Lizenzzahlungen in der Verwertungskette" und hinsichtlich der temporären Abtretung seiner Urheberrechte an die Elorg, einer Unterfirma seines damaligen Arbeitgebers an der Moskauer Akademie der Wissenschaften, sah der russische Entwickler jedoch vom Erfolg seines Programms so gut wie keine Kopeke. Erst nach Auslaufen der Lizenzfristen war es dem inzwischen in die USA ausgewanderten und bei Microsoft angestellten Programmierer finanziell möglich, die Rechte (zurück) zu kaufen.

Noch immer verführt das eingängigen Accelerando zum fröhlichen Mauerbau. Neben dem volkstänzerischem Lied Kalinka, ist die Tetris-Fanfare wahrscheinlich eine der populärsten russischen Melodie. Zwar mag der heute 53-jährige Paschitnow nicht mehr die Unsummen an Lizenzgebühren einnehmen, wie die Spielriesen damals, doch der Name seines Programms wurde im kollektiven Kulturgedächtnis einer ganzen Generation aufgenommen.

Heute kümmert sich seine eigene Firma The Tetris Company um die Vermarktungsrechte, die er nach seiner Ankunft in den USA gegründet hatte. Auf der entsprechenden Internetseite finden sich dann auch verschiedene Ausführungen des Spiels für unterschiedliche Nutzungsplattformen, wie Mobiltelefone oder Webseiten. An neuen Einsatzmöglichkeiten wird ebenfalls schon gebastelt, um eine weitere Generation süchtig nach puzzligen Bauarbeiten zu machen. Mehr Informationen und Anregungen finden sich auf dem Tetris-Blog. Wer ganz doll Langeweile hat, kann sich ja vielleicht mal an der XXXL-Variante Tetoris austoben (ad absurdum geführt).

Ein Kommentator meinte dazu nur: Ey ich hab 19 min 48 sek für die erste Line gebraucht und hab 20 punkte bekommen! Was ein erfolg! ^^