27.03.2009

Ehrliche Betrüger

Jeder, der einen elektronischen Postkasten hat, wird auch schon mal Post aus Westafrika erhalten haben, in der hilfesuchende Mitmenschen ein vertrauensunwürdiges Geschäftsangebot machen, an dessen Ende eine profitable Transaktion auf den Empfänger warten sollen. (Das tatsächlich Leute auf diese Angebote hereinfallen, lässt sich z. B. hier nachlesen.) Diese sogenannte Nigeria Connection könnte dich jetzt auch über Skype ansprechen. Der Dialog würde dann in etwa so aussehen (wenn der scam erkannt wird).

Also, immer schön aufmerksam sein ... und aufrichtig!

04.03.2009

Notfallnummer

Wenn ich Mails von Leuten erhalte, von denen ich sonst selten höre, werde ich immer etwas misstrauisch dem Inhalt gegenüber, weil es sich in erster Linie um sogenannte Kettenbriefe handelt. Genau wie Werbeprospekte, sind Kettenbriefe das Postfach verstopfende Einwurfsendungen des digitalen Zeitalters. Als ich nun heute mein E-Mailfach geöffnet habe, enthielt mein Eingang eine Mail von der Freundin einer Freundin einer Freundin mit der einfachen, aber prägnanten Betreffzeile: ICE (= In Case of Emergency).

Wer würde wohl jetzt wieder nicht ohne meine Hilfe auskommen, schoß es mir gleich durch den Kopf. Wessen schwaches Herz soll dieses Mal ein weiteres Lächeln geschenkt werden? Auf welche Weise könnte noch an das zivile Engagement appelliert werden? Wenn man wirklich etwas für andere tun möchte, dann gibt es Knochenmarkspender-Register (z. B. DKMS und ZKRD), wo moderne Typisierungsverfahren angewendet werden, die ohne Blutabnehmen auskommen, da eine Speichelprobe (Wangenabstrich) einfacher und effektiver ist.

Auf der Homepage der Technischen Universität Berlin befindet sich ein studentische betriebener Informationsservice, der aktuell über kursierende Kettenbriefen informiert. Die Mails enthalten meistens einen sogenannten Hoax: kleine, mitleidserregenden Geschichten, die dem Leser reizvolle Versprechungen machen oder gar Drohungen aussprechen, um diese dann zu bestimmten Handlungen zu animieren, zumindest jedoch um anderen Leuten die Mitteilung zukommen zu lassen. Bei mir führt der Erhalt eines solchen Kettenbriefs vorwiegend nur zu einer Handlung: der Sender enthält umgehend eine kurze, aber gutgemeinte Rückantwort, die den Link zum jeweilig betreffenden Artikel aus der Sammlung des Hoax-Info Services. Vermutlich ist die Stimmung meiner Korrepondenz scheinbar nicht dramatisch genug, um den Sender/Empfänger zu ähnlichen Verbreitungsorgien zu bewegen. Auch der Inhalt der ICE-Mail wird auf der TU-Seite aufgeführt, allerdings mit einer etwas ungewohnten Erläuterung:
Es handelt sich hierbei nicht um einen klassischen Hoax (Falschmeldung), denn nach den Terroranschlägen in der Londoner U-Bahn im Jahr 2005 wurde in England tatsächlich eine solche ICE-Kampagne gestartet.
Auf der schweizer Internetseite Rettungsdienst Online.com wird gleichwohl mitgeteilt, dass dieser Aufruf nicht von offizieller Seite gestartet wurde. Es wird sogar darum gebeten, die Initiative "nicht zu beachten und nicht weiterzuleiten". Das ÖRK wiederum griff die Idee auf, schlägt aber die Verwendung der Abkürzung IN (=IN case of emergency), anstelle des international gebräuchlichen ICE (=In Case of Emergeny), vor. Diese deutsche Variante ist daher auf den DACH-Raum beschränkt, wohingegen die ICE-Initiative auch andernorts hilfebringend bekannt sein will. Passenderweise fangen beide Adressbucheinträge mit dem selben Buchstaben an ... muss man nur noch Glück haben, dass das medizinische Personal am Urlaubsende der Leitung und die Zuhausgeblieben am anderen sich unmissverständlich verständigen können.

Um die Übersicht für den helfenden Anrufer zu vereinfachen, sollte sich die Zahl der Namenseinträge mit I auf eine überschaubare Menge begrenzt sein. Handynutzern, die ihr Handy ständig mit einem PIN vor ungewollter Handhabung schützen, sollten vielleicht in Erwägung ziehen, welche Priorität sie setzen wollen. Doch auch Handyhersteller könnten diesen Gedanken aufgreifen--das Wählen von Notrufnummern mit eingeschalteter Tastensperre ist ja schon möglich. Auf jeden Fall steckt hinter der Kennzeichnung eines Notfallkontakts im mobilen Telefonbuchein ein einfacher Gedanke, der schnell und unkompliziert umgesetzt werden kann (sofern die Menüführung und -steuerung vertraut ist). Und nicht vergessen demjenigen Bescheid zu geben, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Weitere Tipps, auf die geachtet werden sollten, finden sich hier.