02.02.2009

Digitale Sprachausgabe

habe gestern einen artikel gelesen, in dem sich der autor über die orthografische artikulation der youtube-kommentatoren gedanken machte und beispielhaft userbeiträge entkryptisierte, die meines erachtens nach allerdings ohne schwierigkeiten zu lesen und zu verstehen sind. seine übersetzungen hingegen waren detailliert und lang in der ausführung. mir is aufgefallen, dass ich den großteil meiner beiträge ebenfalls in einer orthografischen ausgereiftheit präsentiere, die jedoch in keiner weise der kreativität und komplexität eines kommentars überlegen oder besser ist. sprache, und schrift als materialisierung, ist was wundervolles. wie die menschen vor ihren geräten ihre gedanken in worte packen, steht der fingerfertigkeit eines klavierspielers oder dem handstrich eines malers in nichts nach.
o, gawd...ya dont kno how retarded you ar do you!!??haha...emo...maybe tats wat you ar and tats why yur sayin tat...yur jus tryin to deny it huh!? im surprised you even kno the word 2000!!! haha!!! n00b!!! SLIPKNOT PWNZ and MAGGOT 4 LIFE!!!!!!
um in der lage zu sein, solche äußerungen zu produzieren, wie die folgende, sollte der schreiber die gängige schreibweise des wortes kennen, um sie auf diese art zu reduzieren. es gibt keinen rationalen grund, warum know mit w geschrieben wird oder das personalpronomen you mit drei buchstaben, wenn der vokal u völlig reicht (nicht in diesem beispiel), denn auf phonetischer ebene, gleichen sie sich (sicherlich). auch die vorwiegende verwendung von minuskeln. großbuchstaben werden eher zur hervorhebung genutzt. die zusätzliche einbeziehung von ziffern und anderen symbolen zeugt von einer komplexen morphologischen reduzierung und semantisierung von ausdrücken in der onlinekommunikation.

diese alphanumerische schreibweise findet sich aber auch bei sms-schreibern und twitter-nutzern wieder. die begrenzung der verfügbaren zeichen innerhalb einer nachricht führt beim anwender zur verschachtelung der botschaft in kleinere wortboxen, in denen der sinn des "ursprünglichen" wortes steckt.

und vom standpunkt der sprachgeschichte gesehen, verändert sich sprache ständig. vor allem, wenn neue technologien eingeführt werden. als damals johannes die automatisierung der bücherherstellung vereinfachte, waren mehr leute in der lage durch seine ideen die schrift anderer zu sehen und zu übernehmen. im internet geschieht das auch, nur spielt hier der faktor der zeitökonomie eine größere rolle (nehm ich erstmal an).

ich könnte mir vorstellen, dass gesellschaften den weg in die schriftlosigkeit gehen, weil technologien es ermöglichen direkt miteinander zu kommunizieren (s. a. star trek: kommunikator, videostream, hologramme, etc.)