04.01.2009

Rundflug um die Sonne

Vor wenigen Tagen habe ich meine dreißigste Runde um die Sonne begonnen. Am Ende eines solchen solaren Zyklus' kommt es unweigerlich vor, Vergangenes zu betrachten und Zukünftiges zu erblicken. Auch auf diesem Rundflug werden sämtliche meiner Sinnesorgane aufmerksam nach neuen Herangehensweisen, Perspektivwechseln, Ideenverknüpfungen schauen, um diese hier dann vor- und darzustellen.

Viele Stimmen lassen inzwischen keinen Zweifel mehr daran, dass das neue Jahr eine Katastrophe wird -- gerade so als wenn wir nix mehr tun können, sondern uns eigentlich nur noch zurücklehnen bräuchten, um das Ende herannahen zu sehen. Doch diese Macht- und Hilflosigkeit täuscht. Weltweit erkennen Menschen, die direkt von unseren vorangegangenen Lebensweisen betroffen sind, dass große Änderungen anstehen und die Zeit, neue Wege zu beschreiten, gekommen ist. Manch einer mag vielleicht in diesem Moment verlautbaren, dass es ständig zu Veränderungen in unserer Art zu leben kommt. Doch ich finde, dass die hier vorgestellten Ideen und Konzepte über das Bekannte und Gewohnte hinausgehen, weil die Verbindung und Verknüpfung einstmals Unvereinbarendes zu innovativen Möglichkeiten führen kann.

Wenn wir die derzeitige Situtation auf den internationalen Finanzmärkten und die damit einhergehenden Auswirkungen auf immer mehr Bereiche des täglichen Lebens durch das vorausgegangene Verhalten erzeugt haben, dann liegt im Umkehrschluss in der Veränderung unserer Perspektive(n) der Schlüssel für das Verständnis einer anderen Welt und somit die Hoffnung auf eine bessere. Womöglich erscheint einigen diese bessere Welt als Phantasma, doch die sich verbreiternde Erkenntnis, dass die Dinge sich nicht weiter in die Richtung entwickeln sollten, in die sich sich derzeit bewegen, lässt die Vision realistischer und somit realisierbarer erscheinen. Frage deine Wirklichkeit nicht: "Warum", frage deine Träume: "Warum nicht?" meint George Bernard Shaw.

In meiner derzeitigen Lektüre findet sich beispielsweise ein solcher Versuch der Änderung von Perspektive und Denken. Der Mensch nimmt die Aneinanderreihung von zeitlichen Momenten des Daseins als Kette wahr; ein langes einheitliches Band aus episodischen Abschnitten (Persönlich erfahre ich Zeit als unumkehrbares Jetzt, in dem wir uns bewegen). An Hand dieser Erlebnisse, die natürlicherweise in der Vergangenheit liegen, versucht der Mensch Voraussagen für die Zukunft zu treffen. So galt z. B. Jahrhunderte lang im vorindustriellen Europa die Ansicht, dass alle Schwäne weiß sind – bis kühne Seefahrer auf dem australischen Kontinent schwarze Schwäne erblickten. Der Autor Nassim Nicholas Taleb weitet diese Analogie auf die gesamte menschliche Auffassung von Zeit und Geschichte aus und versucht zu ergründen, wieso wir die Welt auf die eine und nicht die andere Art sehen und weshalb solche Ereignisse wie die Entdeckung schwarzer Entenvögel uns immer wieder aus der Fassung werfen.

Das Filmteam um den us-amerikanischen Filmemacher Mark Johnson hat vielleicht einen solchen schwarzen Schwan gefunden, als sie sich auf Reisen begaben und unterwegs auf musizierende Menschen unterschiedlichster Façon and Couleur trafen. Herauskam ein Dokumentarfilm über eine multimediale Bewegung.
We started the journey with the idea that with an open mind and positive intentions we can find ways of uniting people as the human race. Music has always been the universal language and we followed its path from city streets to Native Indian reservations, African villages and the Himalayan Mountains. I could never have imagined that we would discover a world with so much love, hope and inspiration. In a world with so much focus on our differences I am proud to have discovered that people everywhere believe in creating a better world together. [Mark Johnson]
Auf der Internetseite der Playing for Change Foundation wird u. a. ein Videozusammenschnitt von Straßenmusikern aus aller Welt angeboten, in dem sie gemeinsam den Ben E. King Klassiker "Stand by me" in klanglicher Harmonie darbieten.



Das Video ist Teil des Filmprojekts "Playing for Change: Peace Through Music", der ab Frühjahr auch in deutschen Kinos zu sehen sein sollte. Die Macher dieser musikalischen Erkundung stellen unentdeckte Musiker aus aller Welt vor. Sie sehen in der verbindenden Kraft der Musik " [an] ability to transcend cultural boundaries and connect us as a Human Race."

Die Stiftung unterstützt zudem den Bau von künstlerischen und humanitären Einrichtungen in informations- und ressourcenarmen Orten in der Welt. Der nachkommenden Generation erschließt sich die Möglichkeit des Geschenks der musikalischen und kulturellen Traditionen als ein Erbe der Zukunft.

Demnächst kommt auch noch dieser Streifen des politischen US-Komikers Bill Maher in die Kino (zumindest erst einmal in den USoA): Religulous. Schon in der wortlichen Betitelung des Themas nimmt der gute Mann, der jedweden gesellschaftlichen Standpunkt mit lasterhaftem Scharfsinn kommentiert, den Volksaberglauben Religion aufs Korn. (Da ich alle drei Kinoplakate besonders fand, wollte ich nicht auswählen und stelle sie alle aus.)


Als Start ins neue Jahr hier ein kleines Stück seelestreichlende Technik. Die "Buddha Machine" der Beijinger Firma FM3 versetzt den Zuhörer in einen beruhigenden Zustand des Zen. Den digitalen Klangteppich gibt es auch als kleines Applet für die eigene heimische Netzseite. (Nebenbei findet man auf die Seite eines erleuchteten Internetdienstleisters.)

Ohhmm...