17.10.2008

Cui bono?

Der Inhalt der heimischen Büchersammlung, besonders der Bücher auf dem Nachttisch, eröffnen einem einen Einblick in die Gedankenwelt des Lesers. Damit mehr Bücher auch von mehr Menschen gelesen werden, bemühen sich u.a. das Google Book Search Project und das Google Library Project große Bücherbestände zu digitalisieren. Somit bieten sich Möglichkeiten auch an literarische Schätze zu kommen, die unentdeckt in den Regalen der Bibliotheken und privaten Bücherhallen schlummern.

Es gibt viel zu entdecken: die Gedanken und Ideen zum menschlichen Dasein und zu sozialen Problemen wurden schon immer in der Literatur angesprochen und thematisiert. Die Chance diese Gedanken selber nachzulesen und in die Vorstellung anderer einzutauchen und sie nachzuvollziehen und daraus Wissen für die heutige Zeit zu ziehen, ist von unvorstellbarem Wert ... wenn wir die Zeit zum Lesen hätten.

Wo ist die Zeit zum Lesen? Wo ist die Zeit zur Bildung? Wo ist die Zeit für Zeit?

Lesen braucht Zeit, aber um Zeit zu haben, müssen die elementaren Bedürfnisse des Menschen befriedigt werden, damit der Kopf frei ist. Die so geschaffene Frei-Zeit ist der Zugang zur Freiheit des Geistes.

Viele Mitglieder politischer Fraktionen finden diesen Gedanken ebenfalls verlockend. Im rechten wie im linken Spektrum häufen sich die Stimmen, dass das sogenannte Grundeinkommen der nächste Schritt in der sozialen Revolution und Progression unserer Gemeinschaft ist. Auch wenn die Ansichten zur Art der Beschreitung dazu noch divergieren, ist der Weg für viele schon bekannt. Doch gerade die, die sich für die Arbeit einsetzen, sind dagegen.

Der Perspektivwechsel ist in diesem Zusammenhang von essentieller Dringlichkeit. Die Ansicht, dass es sich bei Arbeit um einen Lebenszweck handelt, muss gegen die Vorstellung, dass das Leben der Zweck und die Arbeit ein Teil dessen ist eingetauscht werden und nicht vice versa.

Dabei wäre gerade die Wahlmöglichkeit der Arbeitsumstände für den Menschen und damit für das wirtschaftliche Wachstum von höchster Bedeutung. Denn wenn der Mensch in der Lage ist, die Dinge zu tun, die ihm und ihr am Herzen liegen, dann werden sie diese Dinge auch mit viel Herz erledigen. Ihre physische und psychische Gesundheit wird sich bessern, da Gedanken um Arbeitsplatzsicherung, Zahlung von Rechnungen etc. in den Hintergrund treten und mehr geistige Kapazitäten verfügbar werden zur sinnvollen und erfüllenden Ausgestaltung des Alltags und des Lebens.

Viele Mitmenschen sehen ihren Zweck noch in der protestantischen Arbeitsethik, die paraphrasiert ausdrückt, wer nix arbeitet, ist nix wert. Was muss man also dann den Leuten sagen, die mehr Arbeitsplätze abbauen? Danke!?

Ein Argument gegen die Einführung des Grundeinkommens ist in erster Linie das der Finanzierung. Doch sollte diese Frage überhaupt noch in Anbetracht der Tatsache gestellt werden, wenn die deutschen Volksvertreter heute dem Gesetz zur Rettung der Banken zustimmte und damit eine halben Billion Euro zur Stützung eines aufgeblähten System genehmigten? Dieses aufgebrachte Geld wird in ein System gepumpt, dass sich wie Slime (TM) in der Hand eines Kindes verhält: egal wie man sich anstellt, es zerrinnt und quillt nach allen Seiten, aber es gelangt zu keiner Stabilität.

Im Übrigen arbeitet das Kontrollgremium zur Verteilung der Hilfsgelder im Geheimen, damit der Bürger keinen Einsicht in die Verwendung seines Geldes erhält. Somit erhalten wir keine, wie mehrfach in den Medien kritisierten und diskutierten, Verstaatlichung des Bankwesens, sondern vielmehr eine "Verbanklichung" des Staates.

Verteilt man stattdessen die Summe auf alle Staatsbürger, dann bekäme jeder in etwa 6000 Euro. Beim Grundeinkommen wird von einem Betrag zwischen 400 und 1500 Euro pro Person gerechnet. Doch dieses Geld verschwindet nicht, wenn es ausgezahlt wird. Es wird ausgegeben, genauso wie es die Funktion des Geldes nun mal ist. Damit einher geht u.a. die Auffassung, dass sich das Steuersystem zu Gunsten der breiten Bevölkerung ändern sollte und die Mehrwertsteuer zu einer sogenannten Konsumsteuer umgemünzt wird, in der alle Leistungen erst und nur durch den Kunden getragen werden.

Wer keine Zeit mehr (oder noch nicht) zum Lesen hat, wird vielleicht noch Zeit zum Gucken haben. In der letzten Zeit wurden zunehmend Filme online gestellt, die sich mit diesem und anderen in diesem Zusammenhang stehenden Themen auseinandersetzen. Besonders die Zeitgeist-Reihe und verschiedene Dokumentarfilme zeigen die Begrenztheit der heutigen Situation auf und bieten eine Ausblick auf kommende Entwicklungen und die Schaffung von potentieller kreativer Zeit für den Menschen.

Viele Fragen gilt es zu beantworten und viele Antworten zu entdecken. Neue Zusammenhänge erlauben neue Sichtweisen, neues Verständnis verschiebt die Gewichtung von Schwerpunkten. Die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft nützt dem Unternehmer, der sich durch die Anstrengung Vieler bereichern kann. In einer grundauskommenden Gesellschaft nützt einer jeder dem anderen, weil er und sie sich zum Wohle Aller einsetzen kann oder erst einmal um sich selbst kümmert. Gerade darin liegt die Süße dieses Gedankens, die Umsetzung des Dolce Vita für alle. Die Frage steht daher im Mittelpunkt: Cui bono? Wem nützt es?