27.10.2008

Rollender Rubel

Das Prinzip des bedingungslosen Grundeinkommens findet offensichtlich immer mehr Vertreter und Befürworter. 700 Teilnehmer nahmen am 3. Grundeinkommenskongress teil, der vom 24.-26. Oktober in Berlin stattfand. Demnächst soll dieser sogar jährlich stattfinden, sodass dann auch mehr Menschen davon erfahren und mehr Ideen eingebracht werden. Schön, wenn man erkennt, dass wir nicht nur schwarz für die Zukunft sehen müssen.

25.10.2008

US-Wahl 2008

Obama oder McCain? Elite oder Hockey-Mom? Krise oder Chaos? Am 4. November wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten und es wird einerseits die Effektivität des digitalen Noise und der massenmediale Schlacht auf den Wähler aufzeigen und andererseits Befürchtungen eines eventuell manipulativen Eingreifens einer "unsichtbaren Hand" bestätigen: Wähler werden vor der Wahl von der Wahrnehmung ihres Rechts gehindert und gar abgehalten, um sie nach der Wahl von weiteren zu erleichtern. Aber warum sollt überhaupt jemand so etwas tun?



In ein paar Tagen findet die 56. Wahl des US-Präsidenten statt. Wie genau diese Wahl funktioniert, zeigt dieser kurze Clip einer Internet-Produktionsfirma, die sich zur Aufgabe gemacht hat, komplexe Ideen verständlich darzustellen.



Außerdem habe ich diesen Clip gefunden, in dem eine Forrest-Gump-Cartoonfigur die US-Wahl erklärt.



Doch die USA sind nur de facto ein Zwei-Parteien-System. Der Esel und der Elefant sind jedoch die dominantesten und größten. Aber auch die anderen Parteien und politischen Gruppierungen haben für diese Wahl ihre Kandidaten aufgestellt.

Dabei ist festzuhalten, dass es sich beim sogenannten Mehrheitsverfahren, sei es absolut oder relativ, nicht unbedingt um das Gelbe vom Ei handelt. Seit mehr als 200 Jahren machen sich Mathematiker Gedanken über "die verschiedenen Vor- und Nachteile von Wahlverfahren." [K. C. Cole: Das Universum in der Teetasse - Von der alltäglichen Magie der Mathematik, 128f.] So bieten z. B. die "Zustimmungswahl" oder das "Prinzip der Stimmhäufung (kumulative Stimmabgabe)", welches u. a. schon bei amerikanischen Wahlen von Aufsichtsräten und bei deutschen Kommunalwahlen Anwendung findet, ein breiteres Auswahlspektrum für den Wähler (S. 130). Aber wie bei der Mehrheitswahl ist jedem Verfahren eine Verzerrung der Ergebnisse inhärent.

Achtung, nachfolgendes Video ist eine Satire, die nicht unbedingt ernst-, aber eventuell wahrgenommen werden sollte. Die beängstigende Intensität der Spannung mit der Wirklichkeit verleiht diesem Clip einen markabren Unterton, da Satire nur funktioniert, weil sie die Wirklichkeit und die zeitgebundenen politischen, kulturellen und sozialen Strömungen widerspiegelt.



Und die unzuverlässigen Wahlcomputer kommen auch dieses Jahr wieder zum Einsatz. Es wird also ein spannender Winter werden.

Nachtrag: Warum wird eigentlich an einem Dienstag gewählt? Nach kurzer Recherche fand ich diese Initiative, die sich die Reparatur des amerikanischen Wahlsystems als Ziel gesetzt hat und als erstes den nationalen Wahltag, den ersten Dienstag im November, zu hinterfragen.


23.10.2008

Cinemagie

Ich sitze im Kino, die zwei Stunden Werbung und Filmvorschauen sind vorüber--unterbrochen nur durch penetrant-höfliche Kaufangebote dutzender "Visual Entertainment Management Assistants" für eben beworbene Produkte auf der Leinwand für Zuschauer, die schon bei der Ankunft im Multiplex einen Parcour aus Popcorn- und Cola-Ständen durchquert haben. Von hinten ist leise das Zurren der Türen zu vernehmen, die zischen als sie geschlossen werden, gerade so als säße ich in einer Kompressionskammer. Das verbliebene Licht wird heruntergedreht, nur noch die Notausgangsschilder leuchten in einem warm-gelben Grün links und rechts vor der 15 mal 25 Meter großen Wand. Während noch kleine gleißende Punkte vor den gereizten Augen aufblitzen, öffnet sich der schwere Stoffvorhang. Der Raum füllt sich mit Trommelwirbeln. Der Film beginnt.

28 Minuten später wache ich aus einem mesmerischen Zustand auf. Meine Beine sind noch ganz taub, aber ein sich verstärkendes Kribbeln deutet auf die fortgesetzte Blutversorgung hin. Ich blicke nach beiden Seiten in meiner Sitzreihe und sehe gespannt auf die Leinwand gerichtete Gesichter. Als ich mich umdrehe, schaue ich in noch mehr gen Leinwand fixierte Augenpaare. Wie unter Hypnose starren sie auf die vor ihnen dargebotene Lichtershow. Zwei Reihen weiter sehe ich gelegentliche Zuckungen in einem der Gesichter, aber sonst rührt sich keiner. Selbst das Knistern von Verpackungen, das Strohhalm-Schlürfen aus 2-Liter-Eimern und das Knappern von Popcorn ist nicht zu hören. Nur ein süßlich-salziger Buttergeruch liegt in der Luft.

Ich drehe mich wieder zur Leinwand und versuche den dort wild flackernden und zuckenden Bewegungen zu folgen. Da entdecke ich in der linken unteren Ecke einen kleinen weißen Spalt, der immer nur dann sichtbar ist, wenn es besonders dunkel auf der Leinwand wird. Ich überlege einen Moment und wäge mein weiteres Vorgehen ab. Den Film kann ich mir nicht mehr ansehen, da ich mich nicht mehr auf das Geschehen konzentrieren kann. Die nächsten eineinhalb Stunden zwischen Kinositzen will ich jedoch auch nicht verbringen. Also entschließe ich mich herauszufinden, was es mit diesem Spalt auf sich hat. Nachdem ich mich zum Ende meiner Sitzreihe durchgerungen habe, stehe ich auf der Treppe und werfe nochmals einen Blick in den Zuschauersaal; einem Steckkasten besetzt mit lauter kleinen Puppen, die regungslos in die gleiche Richtung schauen.

Vor der Leinwand befindet sich ein Podest, welches durch eine kleine Treppe auf der linken Seite erklommen werden kann. Oben angekommen muss ich meinen Kopf ganz in den Nacken legen, um die oberste Kante der Leinwand zu sehen. Der Spalt ist in Augenhöhe mir gegenüber. Durch die nur wenige Zentimeter große Öffnung schimmern kaum wahrzunehmende warme Lichtstrahlen, dass ich mich frage, wie ich den Spalt von meinem Platz überhaupt sehen konnte. Mit weichen Knien und klopfendem Herz nähere ich mich und spähe hinein.

22.10.2008

Money makes the world go round

Nicht erst seit diesem Jahr suche ich nach einer Antwort auf die Frage "Wie funktioniert Geld?" Aber seit diesem Jahr habe ich ein paar Antwortmöglichkeiten gefunden. Angefangen hat die Lösungssuche mit einem Zeichentrickfilm: "Fabian - Gib mir die Welt plus 5 %", in dem verständlich dargelegt wird, wie das Finanzwesen funktioniert. Exemplarisch wird auch der Film zum Ende hin komplexer. Der Film ist frei zugänglich bei Google Video oder auch auf dem Fast Progress Blog zu sehen.

Die Möglichkeiten der "Monetarchie" zeigt auch folgendes Ergebnis einer Diplomarbeit aus dem Jahre 2005. Der Macher des Videos hat die Embed-Funktion abgeschaltet, sodass es nur möglich ist per Link darauf zu verweisen.

Teil 1
Teil 2
Teil 3

Nach dem ich diesen Animationsfilm gesehen hatte, entdeckte ich in diesen Videoausschnitt aus der Sendung Panorama. Interessant sind auch immer wieder die langen Liste der Kommentare zu solchen Videos.



Ein weiterer Videoschnipsel erklärt das exponentielle Zinswachstum. Der Macher dieses Videos setzt das Geldwesen mit dem Geheimbund der Illuminati gleich, wovon ich mich aber distanzieren möchte.



Viele der hier dargestellten Informationen finden sich auch in Murray Rothbards "The Mystery of Banking" wider, dass ich zur Zeit lese. Das Buch erschien schon vor 25 Jahren.

Umschauen

In letzter Zeit stelle ich mir immer häufiger die Frage, ob ich mir die Brisanz der derzeitigen Ereignisse nur einbilde, weil ich in ihnen einen vermeintlichen Wandel sehe will. Doch dann stelle ich fest, dass ich nicht der einzige sein kann, den die Wogen des Finanztsunamis erfasst hat. Bin ich ein philodoxer Pejorist?

Anfang Oktober erreichte die Welle auch Safires semasiologischen Kolumne "On Language" in The New York Times, in der er feststellte, dass die Verwendung bestimmter Wörter vermehrte in den amerikanischen Medien auftreten, weil sie furchteinflößender scheinen. Wie z.B. toxic, das als semantische Eigenschaft von Schulden und Krediten gebraucht wird. Auch das inzwischen diesseits des Atlantiks bekannte bailout nahm er unter die Lupe, dessen ursprünglich nicht pejorative Bedeutung schon 1940 einen "financial twist" erhielt, um die Verhinderung einer ruinöse Entwicklung zu bezeichnen. Durch den inflationären Gebrauch verlieren diese Euphemismen jedoch wieder an Schärfe.

Auch der Verfasser des "A Word A Day" bereicherte Ende September seine Gedanken zum Tag mit Zitaten ob der aktuellen Situation. So gab es beispielsweise am 29. September eine Definition für Korporation:
An ingenious device for obtaining individual profit without individual responsibility.
Der Ausspruch stammte vom amerikanischen Schriftsteller, Journalist und Lebenskünstler Ambrose Bierce (1842-1914). Zwei Tage später kam der Bürgerrechtsaktivist Andrew Young (1932-) zu Wort:
Nothing is illegal if one hundred businessmen decide to do it.
Eine Woche später wird der Komiker Michel Colucci (1944-1986) zitiert, der äußerte, dass
Journalists do not believe the lies of politicians, but they do repeat them -- which is even worse!
Einen interessanten gedanklichen Vergleich stellte der Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman (1918-1988) auf: Es gibt etwa 100-300 Milliarden Sterne in unserer Galaxie. Das waren mal unvorstellbar große Zahlen, aber die amerikanische Schuldensumme liegt weit darüber! Derartige Zahlen wurden mal astronomisch genannt, jetzt sollten wir sie lieber ökonomisch nennen. Erschreckend ist die Tatsache, dass er diesen Vorschlag schon vor mehr als zwei Jahrzehnten geäußert hat, dieser aber nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Mit einer Suchanfrage bei YouTube kann ein ganzer Tag mit dem Sichten von Videos ausgefüllt werden. Mit derzeit im Umlauf befindlichen Begriffen wie "Finanzkrise" erhält man 467 Videos. Sucht man nach "Grundeinkommen" erhält man 139 Videos und beim Begriff "Geld" weit mehr als das 200fache. Dazu gehören dann aber auch Musikvideos und dergleichen. Es gibt aber auch verschiedene Vlogs (Portmanteau aus Video und Blog), in denen aktuelle Fragen diskutiert werden. Ein User stellt eine Frage als Videoclip ins Netz und fordert andere auf sich dazu zu äußern, in Form eines Kommentars oder einer weiteren visuellen Botschaft.



Video-Repliken: http://www.youtube.com/video_response_view_all?v=Az0iWH6Lf8g

20.10.2008

Worte weiser Wesen

Ein glücklicher Mensch ist zufrieden mit der Gegenwart, um sich viele Gedanken über die Zukunft zu machen. -- Albert Einstein

Der Spruch der Vergangenheit ist immer ein Orakelspruch: nur als
Baumeister der Zukunft, als Wissende der Gegenwart werdet ihr ihn
verstehen. -- Friedrich Nietzsche

Die Zukunft beunruhigt uns - die Vergangenheit hält uns fest. Deshalb entgeht uns die Gegenwart. -- Gustave Flaubert

Bücher sind nicht Denkmäler der Vergangenheit, sondern Waffen der Gegenwart. -- Heinrich Laube

Genaugenommen leben nur wenige Menschen wirklich in der Gegenwart, die meisten haben nur vor, einmal richtig zu leben. -- Jonathan Swift

Wer für die Zukunft sorgen will, muß die Vergangenheit mit Ehrfurcht und die Gegenwart mit Mißtrauen aufnehmen. -- Joseph Joubert

Der Dummkopf beschäftigt sich mit der Vergangenheit, der Narr mit der Zukunft, der
Weise aber mit der Gegenwart. -- Nicolas-Sébastien de Chamfort

Neue Ideen können gut oder schlecht sein, genau wie die alten. -- Franklin D. Roosevelt

Neue Ideen sind nur durch ihre Ungewohntheit schwer verdaulich. -- Franz Marc


Nichts ist gefährlicher für die neue Wahrheit als der alte Irrtum. -- Johann Wolfgang von Goethe

Neue Meinungen sind immer verdächtig und man setzt ihnen Widerstand entgegen mit dem einzigen Grund, daß sie noch nicht Allgemeingut sind. -- John Locke

Dumme und Gescheite unterscheiden sich dadurch, daß der Dumme immer dieselben Fehler macht und der Gescheite immer neue. -- Kurt Tucholsky

Wer eine neue Idee hat, ist ein Spinner, bis die Idee eingeschlagen hat. -- Marc Twain

19.10.2008

Videomaterial

Zwei Schweizer haben Anfang 2006 die Initiative gegründet, "um der Idee eines Grundeinkommens mit kulturellen Mitteln Kraft und Ausstrahlung zu verleihen."

Ihr Creative Commons (CC) lizensierter und somit online frei zugänglicher Film zeigt die Möglichkeiten und Chancen eines solchen Vorhabens und erklärt Ansätze wie dieses finanziert werden kann. Zudem werden Fragen aufgeworfen, die dem Zuschauer vor Augen halten, dass die derzeitige Situation keine permanente sein muss und zum Weiterdenken anregt.



Weitere Informationen und Videomaterial gibt es auf der Seite grundeinkommen.tv

Eine Suchanfrage bei YouTube bringt noch mehr Videoschnipsel zum Thema. Besonders interessant sich nicht nur die Aussagen in den Clips selber, sondern auch die Beiträge der Zuschauer in den Kommentaren.

Ein weiterer Film, der seit Dezember 2007 auf DVD erhältlich ist, setzt sich ebenfalls thematisch mit dem lieben Geld auseinander: Der Geist des Geldes.



Und am 30. Oktober kommt der Dokumentarfilm des österreichischen Filmemachers Erwin Wagenhofer („We feed the World“) in unsere Kinos. Sein "bereits 2006 begonnenes Opus" zeigt interessante Zusammenhänge zur heutigen Situation: Let's make money

18.10.2008

Prophetischer Gebrauchspoetiker

Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner?

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
"Herr Kästner, wo bleibt das Positive?"
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.

Noch immer räumt ihr dem Guten und Schönen
den leeren Platz überm Sofa ein.
Ihr wollt euch noch immer nicht dran gewöhnen,
gescheit und trotzdem tapfer zu sein.

Ihr braucht schon wieder mal Vaseline,
mit der ihr das trockene Brot beschmiert.
Ihr sagt schon wieder, mit gläubiger Miene:
"Der siebente Himmel wird frisch tapeziert!"

Ihr streut euch Zucker über die Schmerzen
und denkt, unter Zucker verschwänden sie.
Ihr baut schon wieder Balkons vor die Herzen
und nehmt die strampelnde Seele aufs Knie.

Die Spezies Mensch ging aus dem Leime
und mit ihr Haus und Staat und Welt.
Ihr wünscht, daß ich's hübsch zusammenreime,
und denkt, daß es dann zusammenhält?

Ich will nicht schwindeln. Ich werde nicht schwindeln.
Die Zeit ist schwarz, ich mach euch nichts weis.
Es gibt genug Lieferanten von Windeln.
Und manche liefern zum Selbstkostenpreis.

Habt Sonne in sämtlichen Körperteilen
und wickelt die Sorgen in Seidenpapier!
Doch tut es rasch. Ihr müßt euch beeilen.
Sonst werden die Sorgen größer als ihr.

Die Zeit liegt im Sterben. Bald wird sie begraben.
Im Osten zimmern sie schon den Sarg.
Ihr möchtet gern euren Spaß dran haben ...?
Ein Friedhof ist kein Lunapark.

Erich Kästner (1899-1974)

17.10.2008

Cui bono?

Der Inhalt der heimischen Büchersammlung, besonders der Bücher auf dem Nachttisch, eröffnen einem einen Einblick in die Gedankenwelt des Lesers. Damit mehr Bücher auch von mehr Menschen gelesen werden, bemühen sich u.a. das Google Book Search Project und das Google Library Project große Bücherbestände zu digitalisieren. Somit bieten sich Möglichkeiten auch an literarische Schätze zu kommen, die unentdeckt in den Regalen der Bibliotheken und privaten Bücherhallen schlummern.

Es gibt viel zu entdecken: die Gedanken und Ideen zum menschlichen Dasein und zu sozialen Problemen wurden schon immer in der Literatur angesprochen und thematisiert. Die Chance diese Gedanken selber nachzulesen und in die Vorstellung anderer einzutauchen und sie nachzuvollziehen und daraus Wissen für die heutige Zeit zu ziehen, ist von unvorstellbarem Wert ... wenn wir die Zeit zum Lesen hätten.

Wo ist die Zeit zum Lesen? Wo ist die Zeit zur Bildung? Wo ist die Zeit für Zeit?

Lesen braucht Zeit, aber um Zeit zu haben, müssen die elementaren Bedürfnisse des Menschen befriedigt werden, damit der Kopf frei ist. Die so geschaffene Frei-Zeit ist der Zugang zur Freiheit des Geistes.

Viele Mitglieder politischer Fraktionen finden diesen Gedanken ebenfalls verlockend. Im rechten wie im linken Spektrum häufen sich die Stimmen, dass das sogenannte Grundeinkommen der nächste Schritt in der sozialen Revolution und Progression unserer Gemeinschaft ist. Auch wenn die Ansichten zur Art der Beschreitung dazu noch divergieren, ist der Weg für viele schon bekannt. Doch gerade die, die sich für die Arbeit einsetzen, sind dagegen.

Der Perspektivwechsel ist in diesem Zusammenhang von essentieller Dringlichkeit. Die Ansicht, dass es sich bei Arbeit um einen Lebenszweck handelt, muss gegen die Vorstellung, dass das Leben der Zweck und die Arbeit ein Teil dessen ist eingetauscht werden und nicht vice versa.

Dabei wäre gerade die Wahlmöglichkeit der Arbeitsumstände für den Menschen und damit für das wirtschaftliche Wachstum von höchster Bedeutung. Denn wenn der Mensch in der Lage ist, die Dinge zu tun, die ihm und ihr am Herzen liegen, dann werden sie diese Dinge auch mit viel Herz erledigen. Ihre physische und psychische Gesundheit wird sich bessern, da Gedanken um Arbeitsplatzsicherung, Zahlung von Rechnungen etc. in den Hintergrund treten und mehr geistige Kapazitäten verfügbar werden zur sinnvollen und erfüllenden Ausgestaltung des Alltags und des Lebens.

Viele Mitmenschen sehen ihren Zweck noch in der protestantischen Arbeitsethik, die paraphrasiert ausdrückt, wer nix arbeitet, ist nix wert. Was muss man also dann den Leuten sagen, die mehr Arbeitsplätze abbauen? Danke!?

Ein Argument gegen die Einführung des Grundeinkommens ist in erster Linie das der Finanzierung. Doch sollte diese Frage überhaupt noch in Anbetracht der Tatsache gestellt werden, wenn die deutschen Volksvertreter heute dem Gesetz zur Rettung der Banken zustimmte und damit eine halben Billion Euro zur Stützung eines aufgeblähten System genehmigten? Dieses aufgebrachte Geld wird in ein System gepumpt, dass sich wie Slime (TM) in der Hand eines Kindes verhält: egal wie man sich anstellt, es zerrinnt und quillt nach allen Seiten, aber es gelangt zu keiner Stabilität.

Im Übrigen arbeitet das Kontrollgremium zur Verteilung der Hilfsgelder im Geheimen, damit der Bürger keinen Einsicht in die Verwendung seines Geldes erhält. Somit erhalten wir keine, wie mehrfach in den Medien kritisierten und diskutierten, Verstaatlichung des Bankwesens, sondern vielmehr eine "Verbanklichung" des Staates.

Verteilt man stattdessen die Summe auf alle Staatsbürger, dann bekäme jeder in etwa 6000 Euro. Beim Grundeinkommen wird von einem Betrag zwischen 400 und 1500 Euro pro Person gerechnet. Doch dieses Geld verschwindet nicht, wenn es ausgezahlt wird. Es wird ausgegeben, genauso wie es die Funktion des Geldes nun mal ist. Damit einher geht u.a. die Auffassung, dass sich das Steuersystem zu Gunsten der breiten Bevölkerung ändern sollte und die Mehrwertsteuer zu einer sogenannten Konsumsteuer umgemünzt wird, in der alle Leistungen erst und nur durch den Kunden getragen werden.

Wer keine Zeit mehr (oder noch nicht) zum Lesen hat, wird vielleicht noch Zeit zum Gucken haben. In der letzten Zeit wurden zunehmend Filme online gestellt, die sich mit diesem und anderen in diesem Zusammenhang stehenden Themen auseinandersetzen. Besonders die Zeitgeist-Reihe und verschiedene Dokumentarfilme zeigen die Begrenztheit der heutigen Situation auf und bieten eine Ausblick auf kommende Entwicklungen und die Schaffung von potentieller kreativer Zeit für den Menschen.

Viele Fragen gilt es zu beantworten und viele Antworten zu entdecken. Neue Zusammenhänge erlauben neue Sichtweisen, neues Verständnis verschiebt die Gewichtung von Schwerpunkten. Die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft nützt dem Unternehmer, der sich durch die Anstrengung Vieler bereichern kann. In einer grundauskommenden Gesellschaft nützt einer jeder dem anderen, weil er und sie sich zum Wohle Aller einsetzen kann oder erst einmal um sich selbst kümmert. Gerade darin liegt die Süße dieses Gedankens, die Umsetzung des Dolce Vita für alle. Die Frage steht daher im Mittelpunkt: Cui bono? Wem nützt es?

15.10.2008

Ursache und Wirkung, sowie Tipps am Rande

Ein Grund warum ich gestern meine derzeitige Lektüre vorgestellt habe, war die Erwähnung der The Daily Show with Jon Stewart, die offensichtlich zynischer über die aktuelle Zeitgeschehnisse berichtet als manch Mainstream-Newsoutlette. Die Ausgabe vom 14. Oktober hat sich durch die ganze Sendung thematisch mit dem derzeitigen finanzpolitischem Desaster befasst. Exemplarisch für den angewandten Zynismus ein Segment namens "Survivalist Investment Tips":



Auch andere Shows wie The Colbert Report oder The Root of all Evil lassen sich über die Webseite des Senders Comedy Central sehen.

14.10.2008

Kontext

Für viele Mitmenschen in meiner Umgebung ist die derzeitige Finanzkrise ungreifbar und nicht nachvollziehbar. Wenn eine Tageszeitung die Höhe des deutschen "Bail-outs" als Aufmacher auf der ersten Seite druckt, dann stehen die meisten davor und müssen erst einmal erfassen, um welche Zahl es sich dabei genau handelt. Aber die wahre Menge wird und kann nicht erfasst werden: 500 000 000 000! Null plus Null gleich Null? Ab einer bestimmten Größenmenge kann der Mensch sich den Sachverhalt nicht mehr bildlich vorstellen, weil es außerhalb seines Vorstellungsvermögens für die Realität liegt. Ins rechte Licht gerückt, sieht die Sache dann doch schon wieder ganz anders aus:



Der Cartoon entstammt aus meiner derzeitigen Lektüre:

Aristotle and an Aardvark go to Washington - Understanding Political Doublespeak through Philosophy and Jokes

Thomas Cathcart und Daniel Klein

Auf lustige und intelligente Weise nehmen die beiden Autoren sich die Zeit, um die sprachlichen Ergüsse amerikanischer Politiker auf ihre Schlüssigkeit und Aussagekraft hin zu überprüfen. Leider stellt sich dabei heraus, dass dies nicht nur auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu begrenzen ist.

Eine weiteres Buch, was ich gerade lese, ist von einem Nobelpreisträger für Physik:

Das Verbrechen an der Vernunft - Betrug an der Wissensgesellschaft

Robert B. Laughlin

Insbesondere die Passagen in denen er über die Verknappung von Wissen, d.h. die Geheimhaltung von technischen Daten und wissenschaftlichen Informationen schreibt, scheinen heute nicht mehr nur auf die Wissenschaft und Wirtschaft beschränkt zu sein.

Dabei kommt es gerade darauf an, dass die Menschen wissen: Vogel-Strauß-Politik und Scheuklappen-Syndrom haben uns in die Lage gebracht, in der wir heute sind. Monopole müssen zerschlagen und die Wissensfreiheit gefördert werden, damit wir vorankommen und die Errungenschaften des menschlichen Geistes nicht zum Schutze vor Angst gebrauchen, sondern zum Wohl aller nutzen.

Die geschichtliche Entwicklung der Menschen hat uns gezeigt, dass wir in zyklischen Epochen voranschreiten. Nach dem geologischen, kam das metallische und darauf das industrielle Zeitalter. Innerhalb jeder Epochen finden wieder kleine Umwälzungen und Veränderungen statt: Alles ist im Fluß, nix ist wie es einmal war. Zur Zeit stecken wir in einer Sackgasse aus der wir ohne Umstrukturierung nicht herauskommen. Die angepriesenen Mittel, z.B. der finanziellen Unterstützung durch den Staat haben nur kurzfristig einen Effekt, das Problem besteht aber weiterhin, wenn nicht am System etwas geändert wird.

In Südamerika finden daher solche Systemänderungen statt. Nach Jahren der Unterjochung und Vormundschaft durch IWF und des damit einhergehenden Washingtoner Konsenses, erwachen die Menschen aus diesem Schockzustand und die Politik findet ihren Weg zurück zu ihren demokratischen Anfängen ala Allende & Co. Diese Loslösung bringt den Venezolanern, den Bolivianern und nun auch den Ecuadorianer eine Möglichkeit ihre sozialen Probleme anzupacken und den Raubbau an Land und Seele Einhalt zu gebieten.

Leider weiß das hier kaum jemand, weil in den Massenmedien diese sozialen Veränderungen als schlecht dargestellt werden. Was kann daran auch gut sein, wenn die Menschen selber darüber bestimmen, was gut für sie ist und was nicht? Was kann daran gut sein, dass Geld nicht an multinationale Konzerne geht und es somit auch nicht außer Landes geschafft werden kann, sondern in nationale Projekte des Wiederaufbaus gesteckt werden? Was kann daran gut sein, wenn den Menschen vermittelt wird, dass sie einen Wert besitzen, der nicht durch Geld aufzuwiegen ist? Klar, die großen Konzerne kriegen weniger ab, aber zählt nicht am Ende des Tages, was wir geschaffen haben -- wenn wir abends im Bett liegen und uns auf den nächsten Tag freuen, weil es Gründe gibt, sich darauf zu freuen!

Vielleicht wird uns dann die Geschichte zeigen, dass diese Krise nicht der Anfang eines tiefen Falls, sondern der Beginn einer neuen Ära ist.

09.10.2008

Was auf die Ohren


Der Herbst ist gerade etwas bunter geworden: The Killers