03.06.2008

Der Wert

Auf dem Heimweg konnte ich dem Druck, der auf meinen Schultern zu lasten schien, nicht mehr ertragen. Die Gewalt des Gefühls den Erwartungen und Anforderungen, denen ich als Mitglied eines gesellschaftlichen Systems ausgesetzt bin, nicht zu entsprechen, löste am heutigen Abend in mir eine emotionale Sturmflut aus, der ich nicht mehr standhalten konnte. Der Gedanke, dass die menschliche Existenz an der Größe des Kontosstandes bemessen wird, ließ die Gischt der Empörung und der Wut in mir schäumen ... ich heulte den ganzen Weg nach Hause.

Der Wert eines Menschen zeigt sich mit einem Mittel, was an sich keine Wert besitzt, aber durch den Menschen Wert erhält. In diesem System hat jedoch der Wert des Mittels inzwischen den Wert des Menschen bei weitem überstiegen. Zahlen drücken diesen Wert aus: 1120; 550; 7,50; 4,50. Nach oben ist die Skala offen, unten sind die anderen. Unten bin ich.

In einem System, in dem die Menschen arbeiten, um ihren Wert zu steigern. Nicht mehr die Arbeit an sich wird gewertet, sondern die Summe der Wertvermehrung wird gewürdigt. Menschen, die nur eine begrenzte Wahl haben, um ihren Wert zu steigern, nehmen Unzulänglichkeiten hin, schinden ihren Körper, ihre Seele, ihr Menschliches und verkümmern zu Lohnabrechnungen, Steuerrückzahlungen, Gewinnsummen, Jackpots, Ausgaben, Kosten, und Investitionen. Zu Zahlen und Ziffern, zu Austausch- und Ersetzbarem, entsprechend ihrem Wert, sozusagen.

In einem System, in dem die Chefin im Porsche Cayenne vorgefahren kommt und ich mir kein einwandfreies Fahrrad leisten kann, bei dem nicht die Kette knackend springt, wenn man anfährt oder in einen anderen Gang schaltet. Die Menge des Mittels entscheidet, wer wie fährt. Denn auch meine Chefin gibt sich große Mühe, den sozialen Anforderungen und Erwartungen zu entsprechen, um ihren Wert zu erhöhen. Nicht der Mensch ist das Maß aller Dinge, sondern das Ding bemisst den Menschen. Wertsteigerung und Kostenminderung sind in jeglicher Hinsicht Schlagwörter der menschlichen Existenz geworden. Die widerstandslose Repetition des unhinterfragten Ablaufes des täglichen Lebens und die Verblendung durch profitorientiertes Denken und Handel, rekonstituiert das System jeden Morgen von Neuem.

1 Kommentare:

Revolution-NOW! hat gesagt…

Wirtschaft und Geld sollte ursprünglich mal dem Menschen dienen, als Mittel zum Zweck, das Leben aller zu erleichtern. Schon länger trifft das nicht mehr zu, sondern ist zu seinem Gegenteil pervertiert. Jetzt dient das Geld und die Wirtschaft nicht mehr dem Menschen, sondern der Mensch dient dem Geld. Ich hasse es!!! Wenn ich sehe, wie jemand, der mir ans Herz gewachsen ist, darunter leidet, wie schäbig er behandelt wird, dann kriege ich eine solche Wut im Bauch, daß ich hoffe, daß viele, die diese Wut auch spüren, sich nicht länger als Einzelfall wahrnehmen, sondern dieses menschenverachtende System kippen, beseitigen und etwas neues errichten, daß den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt. Solange es Armut gibt, hat Reichtum keine Daseinsberechtigung. Es kann nicht angehen, daß wie in diesem geschilderten Fall die Chefin am Mehrwert der Arbeitskraft verdient (auf Deutsch: derjenige, der arbeitet, kriegt weniger Lohn, als er für diese Chefin erwirtschaftet hat - die Differenz streicht sie ein) und ihre Abzockerei mit einem Porsche zur Schau stellt, während derjenige, der für sie arbeitet, mit einem Hungerlohn abgespeist wird, von dem er noch nicht mal seine Existenz absichern kann. Soweit ist dieses verdammte System schon gekommen!! Ich kann nur jeden ermuntern, seine Wut darüber gegenüber allen kundzutun, damit allen klar wird, daß sie nicht alleine, sondern zunehmend in der Mehrheit sind. Warum lassen wir alle uns von solchen inkompetenten, verblendeten, neoliberalen, sozialdarwinistischen, menschenverachtenden Idioten an der Spitze sagen, daß wir gefälligst den Gürtel immer enger schnallen sollen, während ihre unberechtigten Diäten laufend erhöht werden - als ob die ganzen Lobby-Bestechungsgelder nicht genug sind?! Wir leben in einem korrupten Land, in einer formellen, aber nicht gelebten Demokratie. Denn wie sonst kann es sein, daß das, was das Volk in allen Umfragen mehrheitlich zum Ausdruck bringt, von der Regierung so sträflich mißachtet wird? Das Volk will einen Mindestlohn, es will eine gute soziale Absicherung, es will weniger Rüstung und mehr Bildung und Gesundheit, es will keine Steuergeschenke für Reiche und Konzerne, sondern ein auskömmliches Leben für alle. Es will keine privatisierte Bahn, die dann die Bürger abzockt und laufend entgleist wie in England oder Neuseeland. Es will keine Armutsrenten. Und wenn dann immer der Satz kommt: "Das ist nicht finanzierbar", dann sage ich euch: laßt euch davon nicht in die Irre führen!!! Es ist locker finanzierbar, wenn man die Steuergeschenke an die oberen Speckmaden wieder rückgängig macht. Die Steuern für diese asozialen (denn Reiche sind die wirklichen asozialen - sie arbeiten nicht, sondern lassen Geld für sich arbeiten, daß DU erwirtschaftest!) wurden seit Anfang dieses Jahrzehnts insgesamt um 130 Milliarden Euro gesenkt!! Jährlich sparen diese Schmarotzer genau diese Summe ein, die euch vorenthalten wird. Dafür dürft ihr dann PRaxisgebühren zahlen oder könnt sehen, wie ihr mit Hartz 4 die letzte Woche des Monats noch Essen kauft oder Strom und Heizung bezahlt.
Wirtschaft ist nicht dazu da, die Unterschicht zu unterdrücken und die Mittelschicht abstürzen zu lassen, sondern einzig und allein dazu da, für die bestmögliche Verteilung ("Allokation") von Gütern und Geld zu sorgen. Tut unsere Wirtschaft das? Nein!! Deshalb ist dieses System zum Scheitern verurteilt. Laßt euch von einem Idioten, der von einem Rüstungslobbyisten einen fetten Geldkoffer gekriegt hat und jetzt Chef der deutschen Polizei und des Verfassungsschutzes ist, nicht einschüchtern! Denn das wollen sie auf ihrem Marsch in einen neuen Faschismus. Das dürfen wir alle nicht zulassen! Wir müssen für eine friedliche und menschenwürdige Demokratie eintreten. Es muß eine direkte Demokratie sein, denn ihr seht ja, wie korrupt unsere Parlamentarier sind und wieviele Lobbyisten in den Ministerien arbeiten! Wir leben in einer Zweiklassengesellschaft, in der die größten Verbrecher einfach so davon kommen (nicht nur Manager, auch Helmut Kohl hat bis heute nicht verraten, wer seine "Spender" waren), während die Kleinen, die versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen, hart bestraft werden. Wenn ihr jetzt fragt: was kann ich tun, ich bin doch nur ein einzelner: Und ob du was tun kannst! Stelle dich gegen diese neoliberale Gehirnwäsche in den Nachrichten / Zeitungen und sprich' mit deinen Freunden und deiner Familie drüber! Oder willst du dir später vorwerfen lassen, daß du nichts unternommen hast gegen die aufkommende (Finanz-)Diktatur? Der Mensch ist das schönste, was diese Erde zu bieten hat, das edelste und das klügste. Jeder Mensch hat von sich aus einen unschätzbaren Wert. Den muß man sich nicht erst verdienen. Du bist weit mehr als das, was du hast!