24.12.2008

Festliche Grüße


Weihnachtskrach


Für alle da draußen, die sich auf schöne und ruhige Feiertage gefreut haben und doch wieder kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehen, hier eine Kleinigkeit, damit ihr eure angestaute Negativität mit etwas beruhigender Bastelarbeit abbauen könnt. Einfach ausschneiden und an den jeweiligen Stellen zusammenkleben. Genießt die freien Tagen mit lieben und freundlichen Menschen um euch herum.


For all those of you out there who expected a few nice and quiet holidays but are again on the verge of a nervous breakdown, here is a small treat to reduce your pent-up negativity with some soothing handicrafts. Just cut out around the edges and glue together. Enjoy the free time with lovely and peaceful people around you.

23.12.2008

Traumerkenntnis

So klein und doch so wahr.

21.12.2008

Suchdienstliche Geschichte

Google startete im Mai 1999 als Start-up und entwickelte sich in einer Dekade zu einem globalen Internetriesen, dessen Jahresumsatz in der gleichen Liga wie Microsoft und Co. liegt. Mit der Waybackmaschine des Internetarchivs kann man sich in Erinnerung schwelgend oder vielleicht auch zum ersten Mal in 85 Milliarden seit 1996 archivierten Webseiten die frühsten Internetauftritte der Startups aus den 1990ern ansehen, z. B. die Google-Startseite.
Google began in the ivory tower, but it's now a private company, and its web site states that it is "unable to speculate" as to whether or not it will go public -- a sure sign that an IPO is in the air. For now, it's a smart solution to a thorny problem that too many companies try to solve with snappy TV commercials and a hip mascot. Let's hope Google's market cap won't go to its head. -- Lev Grossman, digitaldaily (May 5, 1999)
Schon ein Jahr später zeigte sich im Vergleich mit anderen Suchdiensten, dass die googlische Indizierung des Netzes mit Hilfe der Verlinkungsstruktur von Webseiten die entwickelte Rank-Technologie zweier Stanford-Studenten die Spitzposition eingenommen hatte. Vermutlich spielten für die Popularisierung und dem späteren Eingang des anfänglich belächelten Firmennamens in die Sprachkultur mehrerer Sprachgemeinschaften, die minimalisierte Darstellung und die intuitive Bedienung der googlische Suchseite für den Nutzern eine wichtige Rolle. Die daraus resultierende Pfadgröße wirkt sich ebenfalls nachhaltig auf die Verbreitung und Bekanntwerdung solcher und anderer Phänomene aus. Damals war die Anzahl der katalogisierten Seiten von größerer Bedeutung, da die Ergebnisanzeige der innovativen Suchmethodik noch relativ unbeinflusst durch die Manipulierung der Suchergebnisse war, wie z. B. "Page-Ranking" oder "Suchworteinbindungen" auf einer Seite.

http://web.archive.org/web/20010915040002/www.searchenginewatch.com/img/sizes/sizes.gif
www.searchenginewatch.com/img/sizes/sizes.gif

Auf Grund toter Links sowie eingestellter Website-Pflege ist nicht jede gespeicherte Seite im digitalen Webarchiv noch vollständig intakt, so dass die Erforschung etwas eingeschränkt wird. Manche der damaligen Startups sind heute noch immer im Geschäft und mischen weiterhin mit digitalen Dienstleistungen und technologischen Errungenschaften im Netz kräftig mit. Der Wandel der Onlinepräsentation des Firmenprofils lässt sich leicht an der Entwicklung des norgwegischen Startups Fast Search & Transfer (FAST) nachvollziehen. Dabei handelt es sich um ein auf firmeninternen Suchmaschinen und Datenkompression spezialisiertes Unternehmen, welches Ende der Neunziger die zweithöchste Anzahl an indizierten Seiten aufwies. Während der erste Internetauftritt des Unternehmens, welches an der University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim gegründet wurde, aus heutiger Sicht einfach wirkt, wird auf der aktuellen und modernen Webpräsenz mit folgendem Satz für die gesammelten Erfahrungen und die angebotenen Dienste geworben:
FAST wrote the book on search – literally. Our deep expertise means we
have authoritative viewpoints on any aspect of search you care to name.
In beinah einer vollen Dekade expandiert das norwegische Startup zu einem weltweit agierendem Internetunternehmen, welches Ende April 2008 von Microsoft aquiriert wurde. Hier noch eine kleine Übersicht der Beziehungen zwischen den einzelnen Suchdiensten aus dem Jahr 2004.

http://www.suchfibel.de/5technik/images/suchmaschinereien_gross.gif

14.12.2008

Bildende Künste

Als ich mir auf National Geographic die zehn meist online gesehenen Bilder 2008 ansah (wovon einige mir auch ein ah! und oh! abluchsen konnten), habe ich diese Darstellung "Zoom Into the Human Bloodstream" entdeckt, die nebenbei bemerkt den ersten Platz für Illustration erhalten hat. Als ich beim Betrachten langsam runterscrollte, ist auch mein Kinn langsam heruntergefahren. Ohne den wissenschaftliche Wissendurst und Forschungsdrang, fehlt uns die Erkenntnis über die mikroskopischen Vorgänge in unserem Körper. Das Verständnis für Bau- und Funktionsweise sowie der Interdepenzen der Teilbereiche und Abläufe eines System, führt zu einem besseren Verständnis des Gesamtsystems. Daher mag ich die Wissenschaften, weil sie uns ermöglichen in Welten zu schauen, in denen wir auf Antworten für die komplexen Zusammenhänge des Lebens stossen können.

Was ich besonders an diesem Bild mag, ist die Perspektive mit der dieBlutzirkulation als Ganzes im Körpers betrachtet wird. Als ich beim Scrollen bei den Blutblättchen angelangt war, dachte ich kurzzeitig, ich sei am Ende des Bildes angekommen. Überraschend stellte sich heraus, dass es gerade mal die Mitte war.

10.12.2008

Was ist Zeit?


Etymologisch gesehen beruht der Begriff auf dem althochdeutschen Wort zît, mit dem etwas "abgeteiltes" bezeichnet wurde. Die menschliche Wahrnehmung von Zeit ist eine kausale Aneinanderreihung von Augenblicken, die abhängig von den Umständen unterschiedlich empfunden wird.

Aus der Sicht der Physik ist sie eine fundamentale Größe, die sehr exakt gemessen werden kann. Sie bildet zusammen mit der Dimension des Raums das wahrnehmbare Kontinuum, in das jegliches materielle Geschehen eingebettet ist. S. Hawking schlussfolgert daraus die Untrennbarkeit von Raum und Zeit.
Die Frage nach der Zeit als Maßstab für Veränderungen erübrigt sich ohne das Vorhandensein jeglicher Materie. Ohne Materie gäbe es keinen Grund zur Annahme der Existenz einer Zeit, da sie sich nicht bemerkbar machen könnte. [Wesen der Zeit]
Hier ist ein Videoclip seines beeindruckenden Vortrags auf der TED-Plattform zu den großen Fragen des Universums, in dem er auch beiläufig die Entstehung von Zeit anschneidet:



Noch heute gilt der Begriff der "absoluten Zeit" im menschlichen Alltagsverständnis. In der Physik ist diese invalide Formulierung allerdings schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr gebräuchlich. In seinem Artikel "Zur Elektrodynamik bewegter Körper" (1905) beschrieb A. Einstein eine wissenschaftliche Theorie zum Verhalten von Raum und Zeit, in der er die galileische Erkenntnis über die Gleichberechtigung sich gleichförmig gegeneinander bewegende Körper (Kovarianz) und das Fehlen eines vergleichbaren Systems der Ruhe -- die Erde umkreist die Sonne mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/s bzw. 107 km/h, während unser Sonnensystem mit etwa 250 km/s um das Zentrum unserer Galaxie wirbelt -- auf alle Bereiche der Physik erweiterte.

Im Laufe der Jahre half dieses Wissen die exakte Rotationsdauer der Erde um die Sonne zu bestimmen. Aus praktischen Gründen haben wir diese Zeit jedoch auf 365 Tage abgerundet, so dass es ab und an notwendig ist, neben einem Schaltjahr, eine Schaltsekunde einzufügen. Somit wird dieses Jahr um eine Sekunde verlängert, damit unser Kalender durch die Präzision der physikalischen Ereignisse nicht mit unserer geschichtlich entwickelten Wahrnehmung von Zeit durcheinander gebracht wird. Aber keine Sorge, nur die Zonenbewohner der UTC sind von diesem Einschub einer elften Sekunde zum Wechsel ins Neue Jahr betroffen. In Deutschland findet dieser offiziell erst ein Stunde später, also um 00:59:59 Uhr, statt. Atomuhren messen die Zeit übrigens unabhängig von der Erdrotation und sind dadurch von dieser Zeitverschenkung nicht betroffen.

Mit der Einführung der mechanischen Uhr wurde die zeitliche Einteilung der biologischen Uhr in die Form eines genau geregeltem Zeitempfinden angepasst. Der erste mechanisch erzeugte Glockenschlag unterteilte den Tag mit jedem neuen Schlag in genau definierte Abschnitte, die durch die Verbesserung der Technologie immer exakter bestimmt werden konnten. Die Unterteilung des Verlaufs von Zeit in Stunden und Minuten entspricht jedoch nicht dem individuellem körperlichen Zeitempfinden.

Der Biorhythmus eines Menschen wird durch die Taktung seiner inneren Uhr bestimmt, die sich unterschiedlich auf seine mentale und kreative Leistung ausprägt. Die Chronobiologie unterscheidet daher zwischen sogenannten Eulen und Lerchen. Der Großteil der Bevölkerung ist allerdings irgendwo zwischen diesen zwei Extremen anzutreffen. Da die Körperuhr durch innere wie äußere Faktoren beeinflusst werden kann, gibt es für Langschläfer Lichtwecker, die durch die Simulation eines Sonnenaufgangs den Schlafenden auf natürliche und erholsame Weise zu unnatürlichen Zeiten aus dem Traumland holt. Im Gegensatz dazu verfolgt der Schlafphasen-Wecker ab einer vorbestimmten Uhrzeit die körperlichen Signale, d.h. den Grad der Bewegungen im Schlaf, wodurch der günstigste Moment zum sanften Wecken und leichteren Aufstehen bestimmt wird. Nach Marx wird die Produktivkraft der Wirtschaft mit Hilfe des Zeitaufwands zur Herstellung einer bestimmten Warenmenge gemessen. Diese sogenannte Ökonomie der Zeit ist jedoch gelöst von der menschlichen Biochronologie. Die individuelle Leistungskurve des Menschen wird somit missachtet.

Unsere Auffassung von Zeit versucht die multidiziplinäre Kunst- und Designgruppe Troika mit ihrer 22-Meter langen elektro-lumineszierenden Wandinstallation zu sprengen. Im Eingang der Abflughallen "First and Concorde Galleries" im neuen Heathrow Terminal, soll ihre Leuchtuhr den Betrachter durch die Assoziation mit Orts- und Zeitangaben von ferne, fremde Punkten auf der Welt auf eine imaginären Reise schicken.

In der Philosophie zählt das Bewußtsein als Mittelpunkt der Wahrnehmung des Ablaufs von Veränderung im räumlichen Umfeld. Die psychologische Zeitrichtung bestimmt unsere Vorstellung des wahrzunehmenden Zeitverlaufs Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft und verhindert eine Erinnerung an die Zukunft. Die menschliche Reflexion stellt somit die Fähigkeit da, durch die Verarbeitung vergangener Ereignisse im gegenwärtigen Nachhinein zu Erkenntnissen über die raumzeitlichen Bewegung des Selbsts zu erlangen. Darin liegt vielleicht auch der Antrieb zur Beantwortung der existenziellen Sinnfrage? Inzwischen hat die Forschung sich diesem Phänomen genähert und hat neben der Entdeckung eines Zeitgeber-Gens, auch herausgefunden, dass
Willkürhandlungen vorbewußt eingeleitet werden (ca. 250 ms vor der Bewußtwerdung) und erst während der Ausführung ins Bewußtsein gelangen. Dies läßt sich bei einer Vielzahl von Handlungen nachvollziehen. Weiterhin können durch künstliche Stimulation von Hirnregionen Handlungen ausgelöst werden, die später als selbst beabsichtige Handlung wahrgenommen werden. [Wesen der Zeit]
Das menschliche Empfinden von Zeit ist somit nur eine Art der Realität: die Verarbeitung von neuronalen Reizen. Dennoch empfinden wir die chronologische Abfolge von Ereignissen im Rahmen der Gesetze der Kausalität.

04.12.2008

Prop 8 - Das Musical

Amerikanische Schaupieler haben sich zusammen getan und ein Video-Musical über die kürzlich in Kalifornien abgestimmte Proposition 8 herausgebracht.

See more Jack Black videos at Funny or Die

01.12.2008

Süße Physik des Alltags

Auf meinem heutigen Streifzug durch's Netz bin ich auf eine Liste mit Vorschlägen eines möglichen Weihnachtsgeschenks für den digitalen Mann gestossen. Zum einen habe ich eine neue exotische Schokoladenfirma entdeckt, die ihre Produkte grün herstellt und anbietet. Leider gibt's deren Produkt bisher nur in den USA. Zum anderen habe ich ein Video entdeckt, in dem Leute mit ihren Handys Popcorn machen. Der kurze, aber knackige Kommentar unterhalb des Videofensters führte mich auf eine weitere Seite, auf der dargelegt wurde, warum es nicht funktionieren kann:
"Ringing the phones doesn't help because they're interfering with each other and receiving a signal [from a cellphone tower] -- not transmitting it," he said. Furthermore, while it is possible to heat with sound, it's not likely to happen at the low volume emitted by a mobile phone.
Dort habe ich auch gleich meinen neuen Buchwunsch entdeckt.

How Everything Works: Making Physics Out of the Ordinary von Louis Bloomfield



Außerdem bin ich in der Auflistung der Geschenkideen auf den neuen Flachbildschirm XEL-1 von Sony aufmerksam geworden, der OLEDs, sogenannte organische LEDs, verwendet und ab diesem Montagmorgen in den USA für ca. 2500 Dollar zu haben sein wird. Die Dioden aus organischen Materialien weisen einen schärferen Kontrast und eine brilliantere Helligkeit als anorganischen LEDs. Angeblich soll sich beim Betrachter sogar ein 3D-Effekt beim Sehen einstellen. Schick sieht er ja aus, nur die Größe von 11 Zoll (Auflösung 960 x 540) ist noch etwas ungewohnt. Überrascht hat mich jedoch die geringe Dicke von nur 3 mm.




Auf Grund der Eigenschaften sind mit dieser Technologie auch flexible Benutzeroberflächen umsetzbar. Die Vielseitigkeit der unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten erlaubt einen neuen Blick auf die derzeitigen Anwendung von Interaktionsflächen in unserer Umwelt. So könnten beispielsweise relevante Informationen des Bordcomputers in der Frontscheibe eines Transportmittels angezeigt werden. Oder die Umsetzung des E-Papiers vorangetrieben werden.

Doch die Japaner sind nicht die ersten, die solche Technik vorstellen. Schon 2005 stellte Samsung OLED-Technologie auf einer Messe in Boston vor. Im Gegensatz zum XEL-1 wirkt der Bildschirm der Südkoreaner jedoch klobig.
Samsung Electronics has exhibited a number of solid-state display technologies at the Society for Information Display (SID) 2005 conference in Boston. These include a 40-inch OLED display, billed as the world's largest single-sheet glass plate OLED; a 46-inch LED backlight LCD TV with 107 percent NTSC color reproduction, and an LED backlight LCD for 2.22-inch mobile phone displays that uses RGB, rather than white, LEDs.
Auf der CeBIT 2008 stellte das Unternehmen wesentlich schmalere Modelle vor, wovon das größere von beiden immerhin noch 31 Zoll in der Diagonalen aufwies.

25.11.2008

Schlaf, Kindchen, schlaf

Rob Gonsalves: Bedtime Aviation

Kreativität ist die Verbindung von Ideen, Ereignissen und Gedanken, die bisher nicht mit einander verknüpft wurden. Diese Verknüpfung gelingt am besten im Schlaf, wenn die meisten sensorischen Einflüsse auf ein Minimum heruntergefahren sind. In diesen Stunden hat unser Gehirn sturmfrei, umgangsprachlich wird diese Zeit als Träumen bezeichnet. Dem Schlaf werden "viele wichtige biologische Funktionen" zugeschrieben, aber die Notwendigkeit des Schlafens scheint wissenschaftlich noch nicht ganz geklärt zu sein. Außerdem sind sich die Wissenschaftler noch nicht über den Zeitpunkt einig, wann diese Funktionen ausgeführt werden. Das wir im Schlaf das Oberstübchen aufräumen, ist jedoch bekannt. (Auf einer Internetseite zum australischen National Sleep Research Project habe ich noch 40 weitere Fakten zum Thema Schlaf gefunden.)

Diese Einsicht trifft auch in verschiedenen größeren Unternehmen auf Zustimmung, da eine stressreduzierte Umgebung durch das Angebot von Schlafkapseln einen positiven Effekt auf das Arbeitsklima und den Umgang mit den Mitarbeitern hat. Nebenbei wird dann auch gleich das Gedächtnis gestärkt und die Kreativität gesteigert. Das kreative Denken eines Menschen hängt vermutlich auch vom Tagestyp ab: Eule oder Lerche, auch wenn der Großteil der schlafenden Bevölkerung einem ähnlichem Tagesrhytmus folgen und "ungefähr zwischen Mitternacht und acht Uhr" schlafen.

Doch auch zuhause kann man dafür sorgen, dass der Schlaf erholsam ist und Ordnung schafft, wenn einige Voraussetzungen erfüllt und Hinweise beachtet werden, um die nächtlichen Stunden so angenehm wie möglich zu machen. Na dann "Gute Nacht".

23.11.2008

Gehirn und Netzwerke

Das menschliche Gehirn besteht aus einer Million Kilometer Verbindungen, die mit circa 60 W betrieben werden. 100 Billionen Synapsen, die eng mit 100 Milliarden Neuronen verbunden sind, werden mit der Energie einer herkömmlichen Glühbirne betrieben. Heutige Rechner brauchen für die gleiche Leistung derzeit noch den 50- bis 5000-fachen Strombedarf.

Der Mensch ist in der Lage, Leistungen zu vollbringen für die er eigentlich nicht geschaffen ist: der menschliche Wille und der Lernprozess lässt uns sogar die Schwerkraft überwinden. Beim Lernen entstehen neue Knotenpunkte im Gehirn. Zwischen diesen Knoten findet auf chemischem und elektrischem Weg ein Informationsaustausch statt, der durch neue Verbindungen beschleunigt wird. Das Blue Brain Project, ein bionisch-neuroinformatisches Unterfangen zum Verständnis der Funktionsweise des Gehirns, will bis zum Jahr 2015 das erste virtuelle Gehirn nachbilden. Die vollständige Simulation einer neokortikalen Säule auf zellulärer Ebene ist bereits gelungen, die menschliche Großhirnrinde hat eine Million solcher Säulen.

Die Regeln des Lernens werden über Synapsen programmiert, worauf die Säule prompt reagiert auf die neuen Informationen, da jedes Neuron etwas über seinen Nachbarn lernen muss, damit es funktioniert. Daher ist es entscheidend von einander zu lernen und Wege zur Zusammenarbeit zu finden, dies ist ein Lernprozess bei dem das ganze System beginnt sich selbst zu verstehen. In dem nur eine kleine Menge an neuer Information in das System gelangt, ist kurz darauf das ganze System informiert. Das menschlische Gehirn hat soviel Synapsen wie es Blätter im Regenwald des Amazonas gibt. Beim Lernen werden außerdem ganze Kreisläufe neu gebildet. Typische Eigenschaften natürlicher neuronaler Netze lassen sich auch auf künstliche Systeme übertragen.

Eine neue Suchmaschine, Qimaya, versucht sich diese Leistung zu Nutze zu machen, in dem sie die Struktur des menschlichen Gehirns imitiert. Solche sogenannten künstlichen neuronalen Netze sind Netze aus künstlichen Neuronen.
Qimaya erstellt das semantische Web. Das bedeutet die Verknüpfung jeglicher Inhalte und Services im Web auffindbarer Webseiten. -- Roy Uhlmann
Dieser Lernprozess einer neuronale Wissensvermittlung ist auch in sozialen Netzwerken zu finden.
Diese Entwicklung neuronaler Netzwerke lässt sich auf soziale Netzwerke übertragen: Gruppenstrukturen formieren sich in einem vergleichbaren selbstorganisierenden Prozess. Lernen durch lernen forciert in hohem Maße diese natürliche Gruppendynamik. Bei jedem einzelnen wird dadurch eine für nachhaltiges Lernen unabdingbare neuronale Prozesskaskade angestoßen, die die Einstrukturierung der Lerninhalte durch eine anhaltende Reorganisation der synaptischen Verschaltungen ermöglicht. -- Markus Butz und Gertraud Teuchert-Noodt
Dabei ist jedoch nicht nur die Art der Vermittlung wichtig. Die menschliche Interaktion ist gleichzeitig auch eine emotionale Begegnung zwischen Individuen, die eine Verhaltensänderung beeinflusst. Die Theorie der Dynamik komplexer Systeme (Chaostheorie als Teil der Systemtheorie) geht davon aus,
dass sich etwas Neues nur durch einen Durchgang durch ein Stadium der Unordnung entwickeln kann. Letztlich bedeutet dies, dass Änderungen nur über einen Durchgang durch verschiedene Instabilitäten möglich sind. Nur durch eine Krise* und die damit einhergehende Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses oder eigener wichtiger motivationaler Ziele ist eine Lebensveränderung und Verhaltensänderung wirklich möglich.
Doch eine Änderung ist ebenso von der eigenen affektiv-kognitiven Struktur abhängig, d.h. die persönlichen Ziele und Werte eines Menschen, seine Lebensvisionen und die "konkrete Zielsetzung für die nahe Zukunft" sind von Bedeutung.
Wenn die Informationen diesen Strukturen zu sehr widersprechen, werden sie nicht aufgenommen, sondern verdrängt. [...] Hier können alleine schon Fragestellungen wirksam sein, die [...] eigene Vorstellungen und Zielsetzungen überhaupt bewusst werden lassen. Fragestellungen verändern den Blickwinkel.
"Das ist eine gute Frage!" ist ein erstes Anzeichen für eine einsetzende Veränderung der Denkstruktur. Die Bereitstellung an Informationen soll veranschaulichen, welche Konsequenzen derzeitige Entwicklungen für die Zukunft und für das eigene Leben haben werden. Die daraus resultierende Erkenntnis
Nur, was der [Mensch] selber ausspricht, hat nach lerntheoretischen Erfahrungen auch einen Effekt.



22.11.2008

Potentiale des menschlichen Geistes

Jeden Tag denken sich Menschen Methoden und Techniken sowie Werkzeuge und Hilfsmittel aus, um das Leben ihrer Mitmenschen angenehmer zu machen. Sie setzen ihren Kopf ein, um lästige Angewohnheiten des Alltags zu verringern oder gänzlich zu beseitigen. Auf Patently Silly werden die kuriosesten, coolsten und beängstigendsten der wahrhaftig angenommenen Patente des US-Patent-Amts vorgestellt, die von den Betreiber auf dessen Internetseite gefunden werden. In den FAQs befindet sich eine kurze und knackige Zusammenfassung, die faktisch alle meine Frage an die Macher der Seite beantwortet haben:
1) Are these patents for real?
All of the patents on this site were found on the United States Patent and Trademark Office web site. The patent titles are real and the images used are the actual images submitted with the patent application. Truth is stranger than fiction.

2) How do you choose which patents to put on the site?
Each week there are thousands of new patents issued by the United States Patent and Trademark Office. Every week I sort through them and to find new ones to put on the site. The patents I pick are usually a) really weird, b) really cool, c) really scary.

3) Why are those questions on your logo and all around the site ("Useful", "Unique", "Unobvious")?
Those are the basic tests of patentability in the US. How nice that they can each be summed up in one word!

4) Aren't you just taking cheap shots at inventors who work hard to make our lives easier?
Hey, I have no idea which of these patents will catch on and which ones will be remembered only by the afficianados of the trivial. Ben Franklin once said:
"One would not therefore, of all faculties, or qualities of the mind, wish for a friend, or a child, that he should have that of invention. For his attempts to benefit mankind in that way, however well imagined, if they do not succeed, expose him, though very unjustly, to general ridicule and contempt; and if they do succeed, to envy, robbery, and abuse."
It can take a long time for inventions to catch on. At first, each invention can undergo a long period of mockery. At Patently Silly, I try to be the first one to ridicule, so that this phase of the invention's life can end sooner. Then, hopefully it will grow up and change the world.

Während einige der vorgestellten Patente wohl im Reich der Fantasien bleiben sollten, werden andere sicherlich irgendwann ihren Weg in die kommerzielle Verwirklichung finden ... und dabei sah deren Idee wirklich mal dumm aus.

Als ich z. B. Patent D490211 gesehen habe, fiel mir ein ähnlicher Brotaufschnitt ein, den ich als Kind schon auf meiner Stulle hatte.

Der Entwickler des US-Patents 7114465 "Pet Operated Ball Thrower" ist nicht der einzige der diesen Gedanken hatte. Doch das Spielzeug, dass der Besitzer von "Jerry Dog" gebaut hat, besitzt neben Sensorik und Automatik-Betrieb auch einen Zähler, der die Anzahl der Abschüsse zählt.


16.11.2008

Die Zukunft der Computernutzung

2002 interagiert Tom Cruise alias John Anderton im Film "Minority Report" mit einem Computer über eine innovative Benutzeroberfläche, auf welcher er durch exakt koordinierte Handbewegungen Bilder- und Videodateien durchsucht.



Diese sogenannte Human Computer Interaction (HCI) richtet sich in erster Linie an die Bedürfnisse des Nutzers. John Underkoffler studierte am MIT und ist hauptverantwortlich für die Ausarbeitung und Umsetzung dieser technisch versierten Simulation eines räumlichen Computer-Betriebssystem (SOE, Spatial Operating Environment) im Film. Vier Jahre später stellt Oblong Industries die kommerzielle Realisierung der next generation Benutzeroberfläche (UI) vor.


Und das Ganze dann in Kombination mit einer bekannten Benutzeroberfläche? Sollte es zu diesem Zeitpunkt noch Windows geben, zeigt folgender Clip, wie das aussehen könnte:



Jeff Han von der NYU stellt auf der TED-Plattform weitere Ideen zur zukünftigen Computernutzung vor.



Fragt sich, wie lang wir warten müssen bis diese Art der Computer-Interaktion im heimischen Wohnzimmer anzutreffen ist. Denn auch aus gesundheitlichen Aspekte könnte diese Bedienweise von Vorteil sein. Einseitige Belastungen und Überbeanspruchung der Gelenke und Muskulatur führt immer wieder zu schmerzhaften Entzündungen, die auch als Mausarm bezeichnet werden.

Um die schnelle und effiziente Entwicklung und Verbreitung dieser neuen Technologie voranzutreiben, sind bestimmte Voraussetzungen notwendig, wie sie u.a. in der Open-Access-Bewegung formuliert sind, und auch von Han angesprochen werden. Der unentgeltliche Zugriff auf den Quellcode erlaubt es jedem, der sich auf diesem Gebiet auskennt und ausprobieren möchte, dies auch zu tun. Aus dieser kollektiven, nicht-profitorientierten Arbeitsweise entstanden schon so hilfreiche Werkzeuge und Anwendungen wie Internet-Browser (Firefox), Wikis (Wikipedia), Betriebssysteme (Linux & Co.).

13.11.2008

Es war einmal in Amerika ...

Es gibt Momente, in denen ich an meinen Beobachtungen und Eindrücken des Geschehens zweifele. Ich frage mich dann, ob ich die Dinge wirklich verstehe und ob die entdeckten Zusammenhänge tatsächlich vorhanden sind. Ich habe schon vor einiger Zeit aufgehört, nur die traditionellen Medien und Nachrichten zu rezipieren. Das Internet eröffnet einem die Möglichkeit (auch wenn man durch viel Blödsinn muss) authentische, d.h. ungefilterte Meinungen und Ansichten von Einzelpersonen und unvoreingenommenen Gruppierungen, die sich Humanismus und nicht Profitgier auf ihre Flaggen geschrieben haben, zu finden.

Da freut es mich, wenn ich Informationen zu Ereignissen wie der Aktion der Yes Men finde, die am Mittwoch kostenlos eine 14seitige Ausgabe der New York Times in mehreren amerikanischen Großstädte an Passanten verteilte, die auf dem Weg zur Arbeit waren. Der Aufmacher der Zeitung war die Verkündung des Kriegsendes im Iraq.


Die Gruppe macht mit diesem Faksimile auf eine andere, bessere Zukunft aufmerksam. Selbst die Werbeanzeigen in dieser Ausgabe spiegeln die Möglichkeiten eines Perspektivwechsels wider. Das folgende Video zeigt die Reaktionen der Menschen auf der Straße. Ich muss gestehen, dass sich mir der Gedanke aufdrängte, dass dieses Video teil der Yes-Men-Kampagne ist.



Schön, wenn es noch Grund zum Hoffen gibt angesichts der derzeitigen innenpolitschen Entwicklung im eigenen Haus. Gestern stimmten die deutschen "Volksvertreter" mehrheitlich im Bundestag über ein Gesetz ab, dass die historische Trennung von Polizei und Geheimdienste aufhebt. Das sogenannte BKA-Gesetz tritt das deutsche Grundgesetz mit Füßen, um die Bürger vor terroristischen Angriffen zu schützen, indem jeder verdächtigt und ungehindert überprüft werden kann. Aber sorgen wir uns nicht weiter, schließlich sind wir keine Terroristen und werden es auch niemals sein ... Selbstzensur und Angst bekräftigen uns in unserem Glauben, dass wir dem Staate dienen und nicht vice versa.

10.11.2008

Katzenleben

Immer wenn man glaubt, das eigene Haustier sei ganz besonders und sein Verhalten einzigartig, findet man Beweise in der digitalen Fundgrube, die einen vom Gegenteil überzeugen und gleichzeitig ein Band der Verbundenheit schnüren mit einem unbekannten Feliphilen.

Weitere lustige Clips gibt's bei Today's Big Thing.


Durch diese Aktivitäten lässt sich dann sicherlich auch klären, weshalb der Stubentiger den halben Tag in der Sonne liegt und sich den Pelz wärmt.


Wenn ich mal groß bin, werde ich auch eine Katze. Ich bin jetzt schon die halbe Nacht wach, verschlafe den halben Vormittag und komme erst so richtig am späten Nachmittag in Fahrt.

07.11.2008

It's all in your mind

Das erste Mal hörte ich den Namen Stanley Milgram im Psychologie-Unterricht in der Schule. Heute fand ich einen Artikel über eine Radiosendung in der die Dokumentarin Gina Perry einige der damaligen Probanten des Experiments aufgesucht hat, um ihre Geschichte zu hören.

Schon damals beunruhigte mich die Flexibilität der menschlichen Psyche und die Schnelligkeit der Gehorsamkeit der Teilnehmer gegenüber einer autoritär auftretenden Person.

„Die rechtlichen und philosophischen Aspekte von Gehorsam sind von enormer Bedeutung, sie sagen aber sehr wenig über das Verhalten der meisten Menschen in konkreten Situationen aus. Ich habe ein einfaches Experiment an der Yale-Universität durchgeführt, um herauszufinden, wie viel Schmerz ein gewöhnlicher Mitbürger einem anderen zufügen würde, einfach weil ihn ein Wissenschaftler dazu aufforderte. Starre Autorität stand gegen die stärksten moralischen Grundsätze der Teilnehmer, andere Menschen nicht zu verletzen, und obwohl den Testpersonen die Schmerzensschreie der Opfer in den Ohren klingelten, gewann in der Mehrzahl der Fälle die Autorität. Die extreme Bereitschaft von erwachsenen Menschen, einer Autorität fast beliebig weit zu folgen, ist das Hauptergebnis der Studie, und eine Tatsache, die dringendster Erklärung bedarf.“

Stanley Milgram: The Perils of Obedience, Harper´s Magazine, 1974


Nach Milgrams Verständnis ist Gehorsamkeit Teil einer Gesellschaft. Er stellte sich jedoch die Frage, inwieweit Gehorsam in bestimmten Situationen noch angemessen ist -- hier setzt seine Untersuchung an. Zudem setzt er einige Bedingungen voraus, die das Verhalten von Menschen unter autoritärem Einfluss erklären können.

Und nun stelle man sich vor, es sei Krieg ...

Dieser Gedanke wird Brecht untergeschoben, aber vermutlich handelt es sich dabei um ein Portmanteau verschiedener Quellen.
„Im Kern besagen die Worte, dass ein Krieg von den Mächtigen ausgerufen wurde. Aber die, die diesen Krieg führen sollen, die Soldaten, die Offiziere, haben durch eigenständiges Denken erkannt, dass dieser Krieg sinnlos ist, dass er niemandem nützt, außer denen, die ihn anzetteln wollen. Statt sich tränenreich von der Frau und den Kindern zu verabschieden, um in einem sinnlosen Krieg Menschen zu töten, die man nicht kennt, über die man nichts weiß und schließlich selbst zu sterben und damit die Familie alleine zu lassen und der Not preiszugeben, gehen sie lieber mit der Familie in den Park, das Schwimmbad, zu einem Volksfest oder sonst wohin und leben, genießen den Tag, genießen das Schöne um sich herum, genießen das Glück des Lebens. Die Mächtigen, die diesen Krieg wollen, sind machtlos, können nichts dagegen tun, weil sich alle weigerten, weil ihnen nun die Helfershelfer fehlen, weil ihre Macht verloren ist.“

http://www.flegel-g.de/stell-dir-vor.html

Die so freigewordene Zeit könnte weitaus kreativer und entspannter genutzt werden, wie es Garrett Lisi macht. Neben seiner Surfer- und Snowboarder-Leidenschaft, beschäftigt er sich mit einem 248-dimensionalen Objekt, in welchem gegebenenfalls alle physikalischen Theorien vereinbar sind, um den Geheimnissen des Universums auf die Spur zu kommen und vielleicht doch eine Grand Unified Theory zu finden.


Und jeder, der jetzt an das Hasbro-Spielzeug Spirograph denkt, liegt gar nicht mal so falsch. Interessant ist, dass die Formen des Geräts auf komplexer Mathematik basiert, welche myriadisch in der Natur reproduziert werden. Plötzlich sind Zahlen nicht mehr so ungeheuerlich, wenn man sich vergegenwärtigt, welch Schönheit sie erschaffen können. Weitaus imposanter ist jedoch die Erkenntnis, dass es im Laufe der Menschheitsgeschichte gelungen ist, diese Phänomene zu erkennen und zu beschreiben, was wiederum zu neuen Entdeckungen und Entwicklungen führte. Von der Entdeckung der Null und der Einführung mathematischer Operatoren, hin zur Erklärung wiederkehrender natürlicher Muster, zeigt uns die Mathematik die Kraft und Schönheit hinter den Zahlen.

Zahlen erklären die Welt:



Darüberhinaus übersteigen die in einer Woche in der New York Times enthaltenen Informationen das Mindestmaß an Wissen, dass eine Person im 18. Jahrhundert im Laufe eines gesamten Lebens erwarb. Weltweit erstellte der Mensch 2006 über 40 Exabytes (4.0 x 1019) an Informationen. Das ist weit mehr als die Menge, die wir in den letzten 5000 Jahren erstellt haben. Die informationelle Entwicklung setzt sich exponentiell fort ... das menschliche Wissen ist eine Symphonie der Erkenntnisse.

„Betrachten wir historische Zeitabschnitte und deren technische Innovationen, erkennen wir, dass an erster Stelle die Notwendigkeit zu einer Entwicklung besteht. Dann kommen Ideen und Erfindung. Erst das theoretische Erfassen der Technik, gepaart mit deren praktischen Anwendungen und Auswirkungen machen die mögliche Struktkur sichtbar. Alle Prozesse folgen dieser Reihenfolge.“

Jürgen Rüdiger Krenzien: Loop Dundee - Stations by the Way

27.10.2008

Rollender Rubel

Das Prinzip des bedingungslosen Grundeinkommens findet offensichtlich immer mehr Vertreter und Befürworter. 700 Teilnehmer nahmen am 3. Grundeinkommenskongress teil, der vom 24.-26. Oktober in Berlin stattfand. Demnächst soll dieser sogar jährlich stattfinden, sodass dann auch mehr Menschen davon erfahren und mehr Ideen eingebracht werden. Schön, wenn man erkennt, dass wir nicht nur schwarz für die Zukunft sehen müssen.

25.10.2008

US-Wahl 2008

Obama oder McCain? Elite oder Hockey-Mom? Krise oder Chaos? Am 4. November wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten und es wird einerseits die Effektivität des digitalen Noise und der massenmediale Schlacht auf den Wähler aufzeigen und andererseits Befürchtungen eines eventuell manipulativen Eingreifens einer "unsichtbaren Hand" bestätigen: Wähler werden vor der Wahl von der Wahrnehmung ihres Rechts gehindert und gar abgehalten, um sie nach der Wahl von weiteren zu erleichtern. Aber warum sollt überhaupt jemand so etwas tun?



In ein paar Tagen findet die 56. Wahl des US-Präsidenten statt. Wie genau diese Wahl funktioniert, zeigt dieser kurze Clip einer Internet-Produktionsfirma, die sich zur Aufgabe gemacht hat, komplexe Ideen verständlich darzustellen.



Außerdem habe ich diesen Clip gefunden, in dem eine Forrest-Gump-Cartoonfigur die US-Wahl erklärt.



Doch die USA sind nur de facto ein Zwei-Parteien-System. Der Esel und der Elefant sind jedoch die dominantesten und größten. Aber auch die anderen Parteien und politischen Gruppierungen haben für diese Wahl ihre Kandidaten aufgestellt.

Dabei ist festzuhalten, dass es sich beim sogenannten Mehrheitsverfahren, sei es absolut oder relativ, nicht unbedingt um das Gelbe vom Ei handelt. Seit mehr als 200 Jahren machen sich Mathematiker Gedanken über "die verschiedenen Vor- und Nachteile von Wahlverfahren." [K. C. Cole: Das Universum in der Teetasse - Von der alltäglichen Magie der Mathematik, 128f.] So bieten z. B. die "Zustimmungswahl" oder das "Prinzip der Stimmhäufung (kumulative Stimmabgabe)", welches u. a. schon bei amerikanischen Wahlen von Aufsichtsräten und bei deutschen Kommunalwahlen Anwendung findet, ein breiteres Auswahlspektrum für den Wähler (S. 130). Aber wie bei der Mehrheitswahl ist jedem Verfahren eine Verzerrung der Ergebnisse inhärent.

Achtung, nachfolgendes Video ist eine Satire, die nicht unbedingt ernst-, aber eventuell wahrgenommen werden sollte. Die beängstigende Intensität der Spannung mit der Wirklichkeit verleiht diesem Clip einen markabren Unterton, da Satire nur funktioniert, weil sie die Wirklichkeit und die zeitgebundenen politischen, kulturellen und sozialen Strömungen widerspiegelt.



Und die unzuverlässigen Wahlcomputer kommen auch dieses Jahr wieder zum Einsatz. Es wird also ein spannender Winter werden.

Nachtrag: Warum wird eigentlich an einem Dienstag gewählt? Nach kurzer Recherche fand ich diese Initiative, die sich die Reparatur des amerikanischen Wahlsystems als Ziel gesetzt hat und als erstes den nationalen Wahltag, den ersten Dienstag im November, zu hinterfragen.


23.10.2008

Cinemagie

Ich sitze im Kino, die zwei Stunden Werbung und Filmvorschauen sind vorüber--unterbrochen nur durch penetrant-höfliche Kaufangebote dutzender "Visual Entertainment Management Assistants" für eben beworbene Produkte auf der Leinwand für Zuschauer, die schon bei der Ankunft im Multiplex einen Parcour aus Popcorn- und Cola-Ständen durchquert haben. Von hinten ist leise das Zurren der Türen zu vernehmen, die zischen als sie geschlossen werden, gerade so als säße ich in einer Kompressionskammer. Das verbliebene Licht wird heruntergedreht, nur noch die Notausgangsschilder leuchten in einem warm-gelben Grün links und rechts vor der 15 mal 25 Meter großen Wand. Während noch kleine gleißende Punkte vor den gereizten Augen aufblitzen, öffnet sich der schwere Stoffvorhang. Der Raum füllt sich mit Trommelwirbeln. Der Film beginnt.

28 Minuten später wache ich aus einem mesmerischen Zustand auf. Meine Beine sind noch ganz taub, aber ein sich verstärkendes Kribbeln deutet auf die fortgesetzte Blutversorgung hin. Ich blicke nach beiden Seiten in meiner Sitzreihe und sehe gespannt auf die Leinwand gerichtete Gesichter. Als ich mich umdrehe, schaue ich in noch mehr gen Leinwand fixierte Augenpaare. Wie unter Hypnose starren sie auf die vor ihnen dargebotene Lichtershow. Zwei Reihen weiter sehe ich gelegentliche Zuckungen in einem der Gesichter, aber sonst rührt sich keiner. Selbst das Knistern von Verpackungen, das Strohhalm-Schlürfen aus 2-Liter-Eimern und das Knappern von Popcorn ist nicht zu hören. Nur ein süßlich-salziger Buttergeruch liegt in der Luft.

Ich drehe mich wieder zur Leinwand und versuche den dort wild flackernden und zuckenden Bewegungen zu folgen. Da entdecke ich in der linken unteren Ecke einen kleinen weißen Spalt, der immer nur dann sichtbar ist, wenn es besonders dunkel auf der Leinwand wird. Ich überlege einen Moment und wäge mein weiteres Vorgehen ab. Den Film kann ich mir nicht mehr ansehen, da ich mich nicht mehr auf das Geschehen konzentrieren kann. Die nächsten eineinhalb Stunden zwischen Kinositzen will ich jedoch auch nicht verbringen. Also entschließe ich mich herauszufinden, was es mit diesem Spalt auf sich hat. Nachdem ich mich zum Ende meiner Sitzreihe durchgerungen habe, stehe ich auf der Treppe und werfe nochmals einen Blick in den Zuschauersaal; einem Steckkasten besetzt mit lauter kleinen Puppen, die regungslos in die gleiche Richtung schauen.

Vor der Leinwand befindet sich ein Podest, welches durch eine kleine Treppe auf der linken Seite erklommen werden kann. Oben angekommen muss ich meinen Kopf ganz in den Nacken legen, um die oberste Kante der Leinwand zu sehen. Der Spalt ist in Augenhöhe mir gegenüber. Durch die nur wenige Zentimeter große Öffnung schimmern kaum wahrzunehmende warme Lichtstrahlen, dass ich mich frage, wie ich den Spalt von meinem Platz überhaupt sehen konnte. Mit weichen Knien und klopfendem Herz nähere ich mich und spähe hinein.

22.10.2008

Money makes the world go round

Nicht erst seit diesem Jahr suche ich nach einer Antwort auf die Frage "Wie funktioniert Geld?" Aber seit diesem Jahr habe ich ein paar Antwortmöglichkeiten gefunden. Angefangen hat die Lösungssuche mit einem Zeichentrickfilm: "Fabian - Gib mir die Welt plus 5 %", in dem verständlich dargelegt wird, wie das Finanzwesen funktioniert. Exemplarisch wird auch der Film zum Ende hin komplexer. Der Film ist frei zugänglich bei Google Video oder auch auf dem Fast Progress Blog zu sehen.

Die Möglichkeiten der "Monetarchie" zeigt auch folgendes Ergebnis einer Diplomarbeit aus dem Jahre 2005. Der Macher des Videos hat die Embed-Funktion abgeschaltet, sodass es nur möglich ist per Link darauf zu verweisen.

Teil 1
Teil 2
Teil 3

Nach dem ich diesen Animationsfilm gesehen hatte, entdeckte ich in diesen Videoausschnitt aus der Sendung Panorama. Interessant sind auch immer wieder die langen Liste der Kommentare zu solchen Videos.



Ein weiterer Videoschnipsel erklärt das exponentielle Zinswachstum. Der Macher dieses Videos setzt das Geldwesen mit dem Geheimbund der Illuminati gleich, wovon ich mich aber distanzieren möchte.



Viele der hier dargestellten Informationen finden sich auch in Murray Rothbards "The Mystery of Banking" wider, dass ich zur Zeit lese. Das Buch erschien schon vor 25 Jahren.

Umschauen

In letzter Zeit stelle ich mir immer häufiger die Frage, ob ich mir die Brisanz der derzeitigen Ereignisse nur einbilde, weil ich in ihnen einen vermeintlichen Wandel sehe will. Doch dann stelle ich fest, dass ich nicht der einzige sein kann, den die Wogen des Finanztsunamis erfasst hat. Bin ich ein philodoxer Pejorist?

Anfang Oktober erreichte die Welle auch Safires semasiologischen Kolumne "On Language" in The New York Times, in der er feststellte, dass die Verwendung bestimmter Wörter vermehrte in den amerikanischen Medien auftreten, weil sie furchteinflößender scheinen. Wie z.B. toxic, das als semantische Eigenschaft von Schulden und Krediten gebraucht wird. Auch das inzwischen diesseits des Atlantiks bekannte bailout nahm er unter die Lupe, dessen ursprünglich nicht pejorative Bedeutung schon 1940 einen "financial twist" erhielt, um die Verhinderung einer ruinöse Entwicklung zu bezeichnen. Durch den inflationären Gebrauch verlieren diese Euphemismen jedoch wieder an Schärfe.

Auch der Verfasser des "A Word A Day" bereicherte Ende September seine Gedanken zum Tag mit Zitaten ob der aktuellen Situation. So gab es beispielsweise am 29. September eine Definition für Korporation:
An ingenious device for obtaining individual profit without individual responsibility.
Der Ausspruch stammte vom amerikanischen Schriftsteller, Journalist und Lebenskünstler Ambrose Bierce (1842-1914). Zwei Tage später kam der Bürgerrechtsaktivist Andrew Young (1932-) zu Wort:
Nothing is illegal if one hundred businessmen decide to do it.
Eine Woche später wird der Komiker Michel Colucci (1944-1986) zitiert, der äußerte, dass
Journalists do not believe the lies of politicians, but they do repeat them -- which is even worse!
Einen interessanten gedanklichen Vergleich stellte der Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman (1918-1988) auf: Es gibt etwa 100-300 Milliarden Sterne in unserer Galaxie. Das waren mal unvorstellbar große Zahlen, aber die amerikanische Schuldensumme liegt weit darüber! Derartige Zahlen wurden mal astronomisch genannt, jetzt sollten wir sie lieber ökonomisch nennen. Erschreckend ist die Tatsache, dass er diesen Vorschlag schon vor mehr als zwei Jahrzehnten geäußert hat, dieser aber nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Mit einer Suchanfrage bei YouTube kann ein ganzer Tag mit dem Sichten von Videos ausgefüllt werden. Mit derzeit im Umlauf befindlichen Begriffen wie "Finanzkrise" erhält man 467 Videos. Sucht man nach "Grundeinkommen" erhält man 139 Videos und beim Begriff "Geld" weit mehr als das 200fache. Dazu gehören dann aber auch Musikvideos und dergleichen. Es gibt aber auch verschiedene Vlogs (Portmanteau aus Video und Blog), in denen aktuelle Fragen diskutiert werden. Ein User stellt eine Frage als Videoclip ins Netz und fordert andere auf sich dazu zu äußern, in Form eines Kommentars oder einer weiteren visuellen Botschaft.



Video-Repliken: http://www.youtube.com/video_response_view_all?v=Az0iWH6Lf8g

20.10.2008

Worte weiser Wesen

Ein glücklicher Mensch ist zufrieden mit der Gegenwart, um sich viele Gedanken über die Zukunft zu machen. -- Albert Einstein

Der Spruch der Vergangenheit ist immer ein Orakelspruch: nur als
Baumeister der Zukunft, als Wissende der Gegenwart werdet ihr ihn
verstehen. -- Friedrich Nietzsche

Die Zukunft beunruhigt uns - die Vergangenheit hält uns fest. Deshalb entgeht uns die Gegenwart. -- Gustave Flaubert

Bücher sind nicht Denkmäler der Vergangenheit, sondern Waffen der Gegenwart. -- Heinrich Laube

Genaugenommen leben nur wenige Menschen wirklich in der Gegenwart, die meisten haben nur vor, einmal richtig zu leben. -- Jonathan Swift

Wer für die Zukunft sorgen will, muß die Vergangenheit mit Ehrfurcht und die Gegenwart mit Mißtrauen aufnehmen. -- Joseph Joubert

Der Dummkopf beschäftigt sich mit der Vergangenheit, der Narr mit der Zukunft, der
Weise aber mit der Gegenwart. -- Nicolas-Sébastien de Chamfort

Neue Ideen können gut oder schlecht sein, genau wie die alten. -- Franklin D. Roosevelt

Neue Ideen sind nur durch ihre Ungewohntheit schwer verdaulich. -- Franz Marc


Nichts ist gefährlicher für die neue Wahrheit als der alte Irrtum. -- Johann Wolfgang von Goethe

Neue Meinungen sind immer verdächtig und man setzt ihnen Widerstand entgegen mit dem einzigen Grund, daß sie noch nicht Allgemeingut sind. -- John Locke

Dumme und Gescheite unterscheiden sich dadurch, daß der Dumme immer dieselben Fehler macht und der Gescheite immer neue. -- Kurt Tucholsky

Wer eine neue Idee hat, ist ein Spinner, bis die Idee eingeschlagen hat. -- Marc Twain

19.10.2008

Videomaterial

Zwei Schweizer haben Anfang 2006 die Initiative gegründet, "um der Idee eines Grundeinkommens mit kulturellen Mitteln Kraft und Ausstrahlung zu verleihen."

Ihr Creative Commons (CC) lizensierter und somit online frei zugänglicher Film zeigt die Möglichkeiten und Chancen eines solchen Vorhabens und erklärt Ansätze wie dieses finanziert werden kann. Zudem werden Fragen aufgeworfen, die dem Zuschauer vor Augen halten, dass die derzeitige Situation keine permanente sein muss und zum Weiterdenken anregt.



Weitere Informationen und Videomaterial gibt es auf der Seite grundeinkommen.tv

Eine Suchanfrage bei YouTube bringt noch mehr Videoschnipsel zum Thema. Besonders interessant sich nicht nur die Aussagen in den Clips selber, sondern auch die Beiträge der Zuschauer in den Kommentaren.

Ein weiterer Film, der seit Dezember 2007 auf DVD erhältlich ist, setzt sich ebenfalls thematisch mit dem lieben Geld auseinander: Der Geist des Geldes.



Und am 30. Oktober kommt der Dokumentarfilm des österreichischen Filmemachers Erwin Wagenhofer („We feed the World“) in unsere Kinos. Sein "bereits 2006 begonnenes Opus" zeigt interessante Zusammenhänge zur heutigen Situation: Let's make money

18.10.2008

Prophetischer Gebrauchspoetiker

Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner?

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
"Herr Kästner, wo bleibt das Positive?"
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.

Noch immer räumt ihr dem Guten und Schönen
den leeren Platz überm Sofa ein.
Ihr wollt euch noch immer nicht dran gewöhnen,
gescheit und trotzdem tapfer zu sein.

Ihr braucht schon wieder mal Vaseline,
mit der ihr das trockene Brot beschmiert.
Ihr sagt schon wieder, mit gläubiger Miene:
"Der siebente Himmel wird frisch tapeziert!"

Ihr streut euch Zucker über die Schmerzen
und denkt, unter Zucker verschwänden sie.
Ihr baut schon wieder Balkons vor die Herzen
und nehmt die strampelnde Seele aufs Knie.

Die Spezies Mensch ging aus dem Leime
und mit ihr Haus und Staat und Welt.
Ihr wünscht, daß ich's hübsch zusammenreime,
und denkt, daß es dann zusammenhält?

Ich will nicht schwindeln. Ich werde nicht schwindeln.
Die Zeit ist schwarz, ich mach euch nichts weis.
Es gibt genug Lieferanten von Windeln.
Und manche liefern zum Selbstkostenpreis.

Habt Sonne in sämtlichen Körperteilen
und wickelt die Sorgen in Seidenpapier!
Doch tut es rasch. Ihr müßt euch beeilen.
Sonst werden die Sorgen größer als ihr.

Die Zeit liegt im Sterben. Bald wird sie begraben.
Im Osten zimmern sie schon den Sarg.
Ihr möchtet gern euren Spaß dran haben ...?
Ein Friedhof ist kein Lunapark.

Erich Kästner (1899-1974)

17.10.2008

Cui bono?

Der Inhalt der heimischen Büchersammlung, besonders der Bücher auf dem Nachttisch, eröffnen einem einen Einblick in die Gedankenwelt des Lesers. Damit mehr Bücher auch von mehr Menschen gelesen werden, bemühen sich u.a. das Google Book Search Project und das Google Library Project große Bücherbestände zu digitalisieren. Somit bieten sich Möglichkeiten auch an literarische Schätze zu kommen, die unentdeckt in den Regalen der Bibliotheken und privaten Bücherhallen schlummern.

Es gibt viel zu entdecken: die Gedanken und Ideen zum menschlichen Dasein und zu sozialen Problemen wurden schon immer in der Literatur angesprochen und thematisiert. Die Chance diese Gedanken selber nachzulesen und in die Vorstellung anderer einzutauchen und sie nachzuvollziehen und daraus Wissen für die heutige Zeit zu ziehen, ist von unvorstellbarem Wert ... wenn wir die Zeit zum Lesen hätten.

Wo ist die Zeit zum Lesen? Wo ist die Zeit zur Bildung? Wo ist die Zeit für Zeit?

Lesen braucht Zeit, aber um Zeit zu haben, müssen die elementaren Bedürfnisse des Menschen befriedigt werden, damit der Kopf frei ist. Die so geschaffene Frei-Zeit ist der Zugang zur Freiheit des Geistes.

Viele Mitglieder politischer Fraktionen finden diesen Gedanken ebenfalls verlockend. Im rechten wie im linken Spektrum häufen sich die Stimmen, dass das sogenannte Grundeinkommen der nächste Schritt in der sozialen Revolution und Progression unserer Gemeinschaft ist. Auch wenn die Ansichten zur Art der Beschreitung dazu noch divergieren, ist der Weg für viele schon bekannt. Doch gerade die, die sich für die Arbeit einsetzen, sind dagegen.

Der Perspektivwechsel ist in diesem Zusammenhang von essentieller Dringlichkeit. Die Ansicht, dass es sich bei Arbeit um einen Lebenszweck handelt, muss gegen die Vorstellung, dass das Leben der Zweck und die Arbeit ein Teil dessen ist eingetauscht werden und nicht vice versa.

Dabei wäre gerade die Wahlmöglichkeit der Arbeitsumstände für den Menschen und damit für das wirtschaftliche Wachstum von höchster Bedeutung. Denn wenn der Mensch in der Lage ist, die Dinge zu tun, die ihm und ihr am Herzen liegen, dann werden sie diese Dinge auch mit viel Herz erledigen. Ihre physische und psychische Gesundheit wird sich bessern, da Gedanken um Arbeitsplatzsicherung, Zahlung von Rechnungen etc. in den Hintergrund treten und mehr geistige Kapazitäten verfügbar werden zur sinnvollen und erfüllenden Ausgestaltung des Alltags und des Lebens.

Viele Mitmenschen sehen ihren Zweck noch in der protestantischen Arbeitsethik, die paraphrasiert ausdrückt, wer nix arbeitet, ist nix wert. Was muss man also dann den Leuten sagen, die mehr Arbeitsplätze abbauen? Danke!?

Ein Argument gegen die Einführung des Grundeinkommens ist in erster Linie das der Finanzierung. Doch sollte diese Frage überhaupt noch in Anbetracht der Tatsache gestellt werden, wenn die deutschen Volksvertreter heute dem Gesetz zur Rettung der Banken zustimmte und damit eine halben Billion Euro zur Stützung eines aufgeblähten System genehmigten? Dieses aufgebrachte Geld wird in ein System gepumpt, dass sich wie Slime (TM) in der Hand eines Kindes verhält: egal wie man sich anstellt, es zerrinnt und quillt nach allen Seiten, aber es gelangt zu keiner Stabilität.

Im Übrigen arbeitet das Kontrollgremium zur Verteilung der Hilfsgelder im Geheimen, damit der Bürger keinen Einsicht in die Verwendung seines Geldes erhält. Somit erhalten wir keine, wie mehrfach in den Medien kritisierten und diskutierten, Verstaatlichung des Bankwesens, sondern vielmehr eine "Verbanklichung" des Staates.

Verteilt man stattdessen die Summe auf alle Staatsbürger, dann bekäme jeder in etwa 6000 Euro. Beim Grundeinkommen wird von einem Betrag zwischen 400 und 1500 Euro pro Person gerechnet. Doch dieses Geld verschwindet nicht, wenn es ausgezahlt wird. Es wird ausgegeben, genauso wie es die Funktion des Geldes nun mal ist. Damit einher geht u.a. die Auffassung, dass sich das Steuersystem zu Gunsten der breiten Bevölkerung ändern sollte und die Mehrwertsteuer zu einer sogenannten Konsumsteuer umgemünzt wird, in der alle Leistungen erst und nur durch den Kunden getragen werden.

Wer keine Zeit mehr (oder noch nicht) zum Lesen hat, wird vielleicht noch Zeit zum Gucken haben. In der letzten Zeit wurden zunehmend Filme online gestellt, die sich mit diesem und anderen in diesem Zusammenhang stehenden Themen auseinandersetzen. Besonders die Zeitgeist-Reihe und verschiedene Dokumentarfilme zeigen die Begrenztheit der heutigen Situation auf und bieten eine Ausblick auf kommende Entwicklungen und die Schaffung von potentieller kreativer Zeit für den Menschen.

Viele Fragen gilt es zu beantworten und viele Antworten zu entdecken. Neue Zusammenhänge erlauben neue Sichtweisen, neues Verständnis verschiebt die Gewichtung von Schwerpunkten. Die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft nützt dem Unternehmer, der sich durch die Anstrengung Vieler bereichern kann. In einer grundauskommenden Gesellschaft nützt einer jeder dem anderen, weil er und sie sich zum Wohle Aller einsetzen kann oder erst einmal um sich selbst kümmert. Gerade darin liegt die Süße dieses Gedankens, die Umsetzung des Dolce Vita für alle. Die Frage steht daher im Mittelpunkt: Cui bono? Wem nützt es?